Verschiedene Medikamente liegen auf einem Tisch., © Susann Prautsch/dpa/Illustration
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Wirtschaft: Hoher Krankenstand in Thüringen Standortnachteil

26.07.2023

Der hohe Krankenstand bei Beschäftigten in Thüringen entwickelt sich nach Einschätzung der Arbeitgeberseite zunehmend zum Standortnachteil. «Wir haben jetzt schon 17.000 unbesetzte Arbeitsplätze», sagte Sven Nobereit, Geschäftsführer Sozial- und Arbeitsmarktpolitik beim Verband der Wirtschaft Thüringens (VWT), am Mittwoch in Erfurt. Nötig seien gezielte Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge in den Betrieben, aber auch die Motivation der Beschäftigten zu einer gesunden Lebensweise jenseits der Arbeit.

Aus Sicht der Krankenkasse Barmer müssen Unternehmen etwa ihrer Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung der einzelnen Tätigkeiten besser nachkommen. Dies sei im Arbeitsschutzgesetz geregelt, werde allerdings nicht überall umgesetzt. Eine solche Beurteilung und daraus folgende Präventionsmaßnahmen könnten Ausfallzeiten verringern, sagte Barmer-Landeschefin Birgit Dziuk. Aus VWT-Sicht gibt es hier Defizite vor allem bei kleinen und mittleren Firmen, die Thüringens Unternehmensstruktur prägen. Mehr als 90 Prozent der Firmen seien Klein- und Kleinstbetriebe, so Nobereit.

Er verwies zugleich darauf, dass auch andere Faktoren beim hohen Krankenstand eine Rolle spielen, so die alternde Bevölkerung. Wenn ältere Beschäftigte krank würden, seien sie oft länger krank. Zudem habe die Situation auch etwas mit der Lebensweise der Menschen zu tun. «Arbeit an sich macht nicht krank.» Gerade an kleine Firmen richtet sich ein seit 2017 aktives Netzwerk «Gesund arbeiten in Thüringen», das Firmen zur Gesundheitsfürsorge berät. Ihm gehören bislang lediglich rund 35 Firmen an.

Die Barmer etwa arbeitet nach eigenen Angaben derzeit mit mehr als 300 Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung zusammen. Etwa die Hälfte davon nutze konkrete Angebote, die über reine Informationen hinaus gehen. Dabei handele es sich beispielsweise um Gesundheits-Check-ups, Aktionstage oder Workshops. Bundesweit hätten die gesetzlichen Krankenkassen beispielsweise 2021 für die betriebliche Gesundheitsförderung rund 247 Millionen Euro aufgewendet.

Mehrere Krankenkassen hatten 2022 eine massive Zunahme der Krankschreibungen bei ihren Thüringer Versicherten registriert. Die Barmer mit rund 200.000 Versicherten im Freistaat verzeichnete einen Anstieg der krankheitsbedingten Fehltage bei Berufstätigen um rund 25 Prozent. Ähnlich war die Situation nach früheren Angaben bei der AOK Plus, mit 980.000 Versicherten größte gesetzliche Kasse in Thüringen. Die Werte sind im Bundesvergleich sehr hoch. Im vergangenen Jahr war es neben vielen Covid-19-Erkrankungen zu einer massiven Welle an Atemwegserkrankungen gekommen.

© dpa-infocom, dpa:230726-99-539001/5

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