Ein Windrad ist vor einem dunklen Wolkenhimmel zu sehen., © Fabian Strauch/dpa/Symbolbild
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Windräder im Wald nicht tabu: Energieversorgung gewährt

01.03.2022

Thüringer Regierungsmitglieder schließen Windräder im Wald nicht aus, sollte der Bund die Flächenvorgabe erhöhen. «Wir sollten auch prüfen, ob im Einzelfall Anlagen im Wald möglich sind», sagte Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Linke) am Dienstag in Erfurt. Sie und Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) erwarten, dass bald zwei Prozent der Fläche in Deutschland für Windkraftstandorte reserviert werden sollen.

Beide kündigten mehr Tempo beim Ausbau erneuerbaren Energien im Freistaat an. «Der russische Überfall auf die Ukraine hat Auswirkungen auf unsere Energieversorgung», sagte Siegesmund. Die stark gestiegenen Kosten für Heiz- und Kraftstoffe würden viele Menschen finanziell belasten. Die Versorgungssicherheit mit Energie sei aber weiter gewährleistet. Die Gasspeicher seien zu 30 Prozent gefüllt - ein für die Jahreszeit normales Niveau, sagte Siegesmund. «Das reicht für den Rest des Winters und den Sommer.»

Eine Änderung des Thüringer Waldgesetzes, um Windräder zu ermöglichen, sei zunächst nicht geplant. «Wir werden zunächst abwarten, was der Bund macht», sagte Karawanskij. Schnell und rechtssicher müssten jetzt Vorranggebiete für Windräder ausgewiesen werden. Kleine Projekte könnten die Kommunen selbst in Angriff nehmen. Zudem sollten alte durch leistungsfähigere Windkraftanlagen ersetzt werden.

Auf Drängen der Oppositionsfraktionen CDU und FDP war ein Verbot von Windkraftanlagen im Wald erst Ende 2020 wieder in das Thüringer Waldgesetz aufgenommen worden. CDU-Fraktionschef Mario Voigt machte deutlich, seine Fraktion wolle daran festhalten. Die Verengung der Energieerzeugung auf den Ausbau der Windkraft und die Flächenfrage sei Teil des Problems, nicht der Lösung, so Voigt. «Seit Jahren fehlt Thüringen ein Energiekonzept, wie wir die Abhängigkeit von Energieimporten verringern können.» Kritik kam auch von FDP und AfD.

Bisher ist in Thüringen gesetzlich geregelt, dass ein Prozent der Landesfläche für Windräder genutzt werden können. Tatsächlich sind es laut Siegesmund derzeit aber erst 0,3 Prozent. 844 Windräder lieferten Ende 2021 Strom. Thüringen produziere nur etwa die Hälfte des Stroms, der im Freistaat verbraucht werde.

Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach sich dafür aus, den Kohle- und Atomausstieg nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu überprüfen. «Mit Sicherheit werden wir die Diskussion darüber führen müssen - neben einem weiteren massiven Ausbau der erneuerbaren Energien», sagte Tiefensee der Deutschen Presse-Agentur.

«Wir brauchen Brückentechnologien, um Zeit für einen Umbau unserer Energieversorgung zu gewinnen», so Tiefensee. Die Versorgungssicherheit Deutschlands und eine Verringerung der Abhängigkeit von russischen Energieimporten müssten oberste Priorität haben. Siegesmund verwies darauf, dass die Betreiber von Atomkraftwerken eine verlängerte Laufzeit selbst infrage stellten. Auch am Kohleausstieg werde sicher festgehalten. «Wir können nicht zurück ins fossile Zeitalter.»

Sie und Tiefensee plädierten für Schritte gegen steigende Energiepreise. Tiefensee sagte, aus seiner Sicht sei ein «umfassendes Entlastungspaket für Wirtschaft und Verbraucher nötig, und das geht am ehesten über Steuern und Abgaben». Neben dem Wegfall der EEG-Umlage sei eine Senkung der Stromsteuer denkbar.

Während es 2021 in Thüringen bei Solaranlagen ein Plus von elf Prozent auf 37 900 gab, hat sich die Zahl der Windräder im vergangenen Jahr laut Umweltministerium kaum erhöht. Nach Daten des Bundesverbandes Windenergie sowie des Fachverbandes VDMA Power Systems wurden 2021 im Freistaat 14 neue Windkraftanlagen mit einer Leistung von 65 Megawatt errichtet. Zugleich wurden sieben Anlagen mit elf Megawatt Leistung zurückgebaut.

© dpa-infocom, dpa:220301-99-339169/3

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