Einem Jugendlichen wird ein Nasenabstrich für einen Corona-Test entnommen.Einem Jugendlichen wird ein Nasenabstrich für einen Corona-Test entnommen.
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Viele ambulante Corona-Infektionen erwartet

20.10.2022

In der Corona-Pandemie rechnet der Jenaer Infektionsmediziner Mathias Pletz im Herbst und Winter vor allem mit vielen ambulant behandelbaren Covid-19-Erkrankungen. Allerdings könnten auch diese das Gesundheitssystem und sonstige kritische Infrastruktur an die Grenzen bringen - zumal auch andere Infektionen wie Grippe oder weitere Atemwegserkrankungen nach mehr als zwei Jahren Pandemie wieder zunähmen, sagte der Mediziner vom Universitätsklinikum Jena der Deutschen Presse-Agentur. «Das Problem sind Personalausfälle.»

Nach Angaben des Mediziners ist die kürzlich entdeckte neue Sublinie BQ.1.1 der Omikron-Variante vor wenigen Tagen auch in Thüringen erstmals nachgewiesen worden. Diese gilt als sogenannte Immunflucht-Variante. Damit ist gemeint, dass sich das Viruserbgut verändert hat, so dass es Antikörpern von Geimpften und Genesenen besser entkommt. Umso wichtiger seien Eigenverantwortung und Solidarität beim Schutz vor Infektionen, betonte Pletz, der am Uniklinikum Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene ist. Im aktuellen Wochenbericht des Landesamtes für Verbraucherschutz war die neue Variante am Donnerstag noch nicht erfasst.

Das gelte insbesondere für das Tragen von Schutzmasken. «Sie schützen nicht nur vor Corona, sondern auch vor Atemwegsinfektionen durch andere Erreger.» Ein Mund-Nasen-Schutz schränke die individuelle Freiheit kaum ein, sei aber sehr effektiv. Vorbild für Pletz sind die asiatischen Länder. Die Menschen dort trügen jedes Jahr in der Erkältungssaison Masken. «Das ist dort auch eine Frage der Höflichkeit.» Auch der Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes in Thüringen, Reinhard Fünfstück, warb am Donnerstag für das freiwillige Tagen von Masken. «Das macht keine Mühe und gibt Sicherheit für sich und andere», erklärte er in einer Mitteilung.

Am Donnerstag hatte sich die Infektionslage in Thüringen im Vergleich zur Vorwoche wieder etwas entspannt. Die Corona-Inzidenz, die die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen je 100.000 Einwohner angibt, lag laut Robert Koch-Institut bei 506 - nach 673 am Donnerstag der Vorwoche. Den landesweit höchsten Wert verzeichnete der Ilm-Kreis mit 701, den niedrigsten der Saale-Orla-Kreis (301). Von Mittwoch zu Donnerstag wurden 2433 Neuinfektionen gezählt, nach 3474 in der Vorwoche. Die Zahlen sind allerdings nur begrenzt aussagefähig, da nur die mittels PCR-Test nachgewiesenen Fälle von den Gesundheitsämter gezählt werden.

Gestiegen ist die Zahl der wöchentlichen Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. In den zurückliegenden sieben Tagen starben in Thüringen 50 Menschen, die mit dem Virus infiziert waren. In der Woche zuvor waren es 31. Von rund 600 betreibbaren Intensivbetten im Freistaat sind aktuell 60, also 10 Prozent, mit Covid-19-Kranken belegt. Laut Corona-Wochenbericht nimmt die Anzahl größerer Corona-Ausbrüche derzeit wieder zu. Binnen einer Woche seien 68 Ausbrüche mit insgesamt 200 Infizierten erfasst worden, überwiegend in Privathaushalten und Altenheimen.

Nach Angaben des Infektionsmediziners Pletz werden aktuell vor allem ältere Menschen, die die zweite Auffrischungsimpfung noch nicht erhalten hätten, stationär behandelt. Dies zeige, wie wichtig der zweite Booster insbesondere für diese Altersgruppe sei. «Alle ab 60, die in den letzten drei Monaten keine Infektion hatten, sollten sich boostern lassen - mit einem an Omikronvarianten angepassten Impfstoff», riet er.

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