Lebensmittelspenden an die Tafel Weißenfels liegen in einem Regal.Lebensmittelspenden an die Tafel Weißenfels liegen in einem Regal.
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Ungleichheit durch Pandemie und Inflation gestiegen

29.06.2022

Der Anteil armer Menschen in Thüringen ist weiter gestiegen. Die Armutsquote lag in Thüringen im zweiten Corona-Jahr 2021 bei 18,9 Prozent und somit um einen Prozentpunkt höher als im Vorjahr. Das ist eine Steigerung um 5,6 Prozent, wie aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervorgeht. Thüringen lag damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 16,6 Prozent und gilt folglich im Vergleich als besonders armutsbetroffen. In Thüringen sind rund 400.000 Menschen arm.

Der Bericht beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Armut wird in Deutschland nicht über direkte Not wie Hunger oder Obdachlosigkeit definiert, sondern über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe. Die Armutsquote gibt dabei den Anteil der Bevölkerung an, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss.

Bei einem Einpersonenhaushalt lag diese Grenze in Deutschland im vergangenen Jahr bei 1148 Euro im Monat (Vorjahr: 1126 Euro). Wohnungslose Menschen oder Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Wohnheimen sowie Strafgefangene oder Geflohene in Gemeinschaftsunterkünften werden in die Erhebungen nicht einbezogen.

Deutschlandweit erreichte die Armutsgefährdungsquote mit 16,6 Prozent im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. Demnach leben 13,8 Millionen Menschen in Deutschland unterhalb der entsprechenden Grenze - 600.000 mehr als vor der Pandemie. Thüringen liegt im Ländervergleich auf dem 13. Platz. Nur Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen liegen noch hinter dem Freistaat.

Die Armutsquote von 18,9 Prozent in Thüringen bildet nicht nur Ostthüringen ab (18,9 Prozent), sondern auch Mittel- und Nordthüringen mit Quoten von rund 20 Prozent sowie am besseren Ende Südthüringen mit 15,8 Prozent.

«Dass die Armutsquote unvermindert weiter steigt und Thüringen konstant über dem Bundesdurchschnitt liegt, ist nicht hinnehmbar. Das Land muss hier dringend gegensteuern, Armutsbekämpfung muss ein zentrales Thema der Politik sein», sagte der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Stefan Werner. «Wir brauchen funktionierende, längerfristige Konzepte.» Besonders erschreckend sei, dass knapp 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen und rund ein Viertel der Rentnerinnen und Rentner von Armut betroffen seien.

Angesichts der aktuell hohen Inflationsrate rechnet der Verband mit einer weiteren Verschärfung der Lage. Die Inflation werde die Gräben zwischen ärmeren und reicheren Haushalten wahrscheinlich noch einmal deutlich vertiefen. «Mit Besorgnis blicke ich auf die weitere Entwicklung. Die steigende Inflation wird weitere Menschen in Armut bringen», sagte Werner. Es brauche ein zielgerichtetes Entlastungspaket der Bundesregierung für einkommensarme Haushalte. Konkret müssten die Regelsätze in der Grundsicherung, bei Wohngeld und Bafög angepasst werden.

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© dpa-infocom, dpa:220629-99-849273/3

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