Ein abgestorbener Obstbaum an einem Feld., © Sebastian Willnow/dpa/Illustration
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Trotz niedriger Pegel: «Thüringen droht nicht auszutrocknen»

10.07.2022

Trotz derzeit niedriger Pegelstände bleibt akuter Wassermangel in Thüringen nach Einschätzung des zuständigen Amtes ein eher lokales Phänomen. «Thüringen droht nicht auszutrocknen», teilte ein Sprecher des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz auf Anfrage mit. Im Gegensatz zu Brandenburg sei Thüringen ein wasserreiches Land und werde es auf absehbare Zeit auch bleiben. Das liege unter anderem an der geografischen Lage mit den Mittelgebirgen und den damit verbundenen häufigen Niederschlägen.

Dennoch verzeichnet das Amt aktuell fast überall im Freistaat niedrige Pegelstände. Im Juni wurden an 28 betrachteten Pegeln die mittleren Wasserabflüsse im langjährigen Vergleich um durchschnittlich über ein Viertel unterschritten. An drei Pegeln wurden sogar die niedrigsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.

Besonders wenig Wasser führen die Flüsse aktuell in Nordthüringen (Helme, Zorge, Wipper). Auch an der oberen Werra, der Leine, der Ilm, der oberen Saale und der Loquitz wurden Werte unter dem Landesdurchschnitt gemessen. Etwas besser steht die Saale unterhalb der Talsperren da, sowie einige Gebiete der mittleren und unteren Werra, der Weißen Elster und der Pleiße. Bisher sind dem Amt zufolge keine Flüsse vollständig ausgetrocknet.

Auch beim Grundwasser macht sich die aktuelle Trockenperiode laut Amt bemerkbar. Seit April seien die Stände in weiten Teilen Thüringens wieder stark gesunken, insbesondere in Westthüringen und im Thüringer Becken. Im Mai wurden bei 55 Prozent der Messstellen unterdurchschnittliche Wasserstände verzeichnet - Tendenz steigend. In der lang anhaltenden Trockenphase zwischen Mai 2018 und Juni 2021 hatte dieser Wert sogar bei 70 Prozent gelegen. In Thüringen wird den Angaben zufolge mehr als die Hälfte des Wasserbedarfs für die öffentliche Trinkwasserversorgung aus dem Grundwasser gesichert.

Die Situation sei vergleichbar mit den Wasserständen in einem durchschnittlichen Spätsommer oder Herbst, hieß es weiter. Aber auch in den Juniwochen 2019 und 2020 gab es ähnlich niedrige Stände. In den vergangenen Jahren seien immer wieder die Auswirkungen solcher Niedrigwasserphasen beobachtet worden, sagte der Sprecher. Dazu zählte etwa das teilweise Trockenfallen von Gewässern, aber auch extrem niedrige Grundwasserstände, die zum Teil die lokalen Trinkwasserversorgungen beeinträchtigt hätten. Als Beispiel nannte er etwa die Brunnendörfer im Altenburger Land.

Grundsätzlich seien Niedrigwasserperioden keine unbekannten Erscheinungen. «Vielmehr werden solche Ereignisse bereits seit Beginn der Aufzeichnungen immer wieder beobachtet.» Wegen des Klimawandels und der damit verbundenen häufiger zu erwartenden Extremwetterereignisse müsse sich Thüringen aber stärker mit lokalen Wassermangelsituationen auseinandersetzen. In den vergangenen Wochen hatten bereits etliche Landkreise die Wasserentnahme aus Flüssen oder Seen untersagt.

In den sechs großen Trinkwassertalsperren macht sich das Niedrigwasser hingegen noch nicht bemerkbar. Sie verzeichneten nach Angaben der Thüringer Fernwasserversorgung zum Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahrs im Mai Höchststände. Grund sei das niederschlagsreiche Winterhalbjahr und die Schneedecke in Thüringen zu Beginn des Jahres. Den Angaben zufolge waren die meisten großen Talsperren in Thüringen Ende Juni noch zu über 90 Prozent gefüllt.

Aber auch in den Talsperren macht ist der Klimawandel spürbar: So habe es in den vergangenen 30 Jahren zwar mehr geregnet als in der Phase zuvor. Allerdings seien diese Niederschläge eher auf den Winter konzentriert - im Frühsommer mache sich hingegen immer mehr die Trockenheit bemerkbar. Die Folge seien unter anderem größere Wasserspeiegelschwankungen in den Talsperren.

© dpa-infocom, dpa:220710-99-970903/2

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