Katzenkäfige in einem Regal des Erfurter Tierschutzvereins.Katzenkäfige in einem Regal des Erfurter Tierschutzvereins.
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Tierschützer und Behörden: Kastration von Streunern wichtig

28.05.2022

Das Land Thüringen hat für die Kastration freilebender und streunender Katzen in den vergangenen zwei Jahren rund 330.000 Euro ausgegeben. Das geht aus einer Antwort des Thüringer Gesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Nadine Hoffmann hervor. Dass Bedarf bestehe, zeige sich daran, dass die Fördermittel ausgeschöpft worden seien. Nach Angaben des Ministeriums stehen auch in diesem Jahr wieder 150.000 Euro für die Kastration bereit.

Seit 2013 können die Landkreise und kreisfreien Städte laut Thüringer Tierschutzgesetz Kastrations- und Registrierungspflichten für Katzen in bestimmten Gebieten aussprechen. In den kreisfreien Städten Erfurt, Weimar, Gera sowie in Teilen der Landkreise Altenburger Land, Eichsfeld, Gotha und Nordhausen wurde bisher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht. Eine landesweite Regelung ist aus Sicht des Ministeriums aber nicht nötig, «da das Problem regional in unterschiedlichem Ausmaß auftritt». Nur wo nachweislich eine entsprechende Problematik bestehe, seien Regelungen erforderlich.

Wie viele dieser herrenlosen Katzen in Thüringen leben, ist unklar. Der Tierschutzverein Erfurt geht allein für die Landeshauptstadt Erfurt von rund 5000 streunenden Tieren aus. Das Problem: Leben viele «Streuner» an einem Ort, erkranken die Tiere oft an Leukose, Katzenschnupfen, Augen- und Nierenerkrankungen. Oder sie werden den Experten zufolge von Parasiten befallen, verletzen sich, erleiden ein Trauma oder die Jungtiere sterben früh.

«Das einzige, was man für sie tun kann: Diese sinnlose Vermehrung zu steuern. Da stehen wir ganz fest für ein», sagte die Erfurter Tierschutz-Vorsitzende Petra Dünkler. «Wir wollen keine cleane (deutsch: saubere, gesäuberte) Stadt. Mal keine Katze mehr in Erfurt zu haben, das ist nicht das Ziel, um Gottes Willen.» Es gehe um gute Lebensbedingungen für diese Tiere. Kastriert würden Katzen unter Narkose und ausschließlich von Fachleuten.

Doch Kastrationen kosten Geld. Tierschutzvereine, wie der in Erfurt, können für diesen Eingriff bei einem niedergelassenen Tierarzt staatliche Mittel beantragen. Wer eine herrenlose Katze sieht, kann sich bei den Vereinen melden und sie dort in Obhut geben.

Manchmal würden Tiere auch direkt von ihren Findern in die Praxen gebracht. Das passiere aber nicht ohne eine genaue Überprüfung vorab. Eine Genehmigung sei dann nötig. Es habe der eine oder andere schon versucht, sein Tier unter dem Deckmantel eines Findelkätzchens gratis behandeln und chippen zu lassen, sagte Dünkler.

Die meisten Katzen werden nach dem Chippen und der Kastration wieder an ihren Fundstellen ausgesetzt. Denn das Tierheim behält keine wilden Katzen. Problemfälle, etwa verwundete Katzen, kommen nicht selten zu Helga König im Erfurter Südosten. Seit Jahrzehnten engagiert sich die 81-Jährige für streunende Katzen. Aktuell peppelt sie gleich mehrere «Straßenkatzen» auf. König nennt sie liebevoll «Mäuschen» oder «mein Süßer». Doch sie macht sich auch Sorgen: «Ich werde nicht jünger. Wer kümmert sich dann um die Tiere?»

«Die Landesregierung ist der Auffassung, dass sich die Katzenschutzverordnungen in den einzelnen Gebieten günstig auf den Tierschutz ausgewirkt haben», schreibt das Ministerium. Durch die Kastration sinke die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten der Katzen ohne Halter. Auch die Kastrationen von Katzen mit Haus und Versorger habe Auswirkungen auf den Schutz herrenloser Katzen, hieß es weiter. So könnten diese Kater «dann auch nicht mehr zur Vermehrung herrenloser Katzen beitragen».

Nach den Erhebungen von Tierschutzverein und Veterinäramt der Stadt Erfurt hat sich der Gesundheitszustand der eingefangenen Tiere im Zeitraum von 2017 bis 2019 gegenüber dem Zeitraum vor Inkrafttreten der Verordnung deutlich verbessert. So seien 2015 und 2016 gerade 45 Prozent der eingefangenen herrenlosen Katzen vom behandelnden Tierarzt als klinisch gesund beurteilt worden. Nach Inkrafttreten der Verordnung stieg diese Quote von 48 Prozent (2017) über 58 Prozent (2018) auf 67 (2019).

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