Ein Schild mit dem Hinweis «Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe» hängt an einem Bekleidungsgeschäft., © Bernd Weißbrod/dpa
  • Nachrichten

Studie: Rund 27 Prozent der Thüringer Geschäfte stehen leer

17.09.2023

Die Zahl der leerstehenden Geschäfte in Thüringen hat sich in den vergangenen fünf Jahren noch einmal deutlich erhöht. Inzwischen sind knapp 4800 Läden verwaist, wie aus der vom Infrastrukturministerium in Auftrag gegebenen Einzelhandelserfassung 2022 hervorgeht. Laut der Untersuchung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sind das 27 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte im Freistaat. Damit sei die Leerstandsquote im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung aus dem Jahr 2017 um sechs Prozentpunkte gestiegen.

Vor allem kleinere Geschäfte schlössen dauerhaft, hieß es. Zudem betreffe der Rückzug des Einzelhandels vor allem die kleineren, nicht zentralen Orte. Seit 2017 ist in Thüringen der Erhebung zufolge bei den Einzelhandelsunternehmen ein Rückgang um zwölf Prozent und bei den Verkaufsflächen um zwei Prozent zu verzeichnen. Zuletzt gab es in Thüringen noch knapp 13.000 betriebene Geschäfte.

«Grundsätzlich ist die Versorgungsstruktur durch den Einzelhandel in Thüringen stabil», hob Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Linke) hervor. Mit einer Verkaufsflächendichte von rund 1,74 Quadratmeter je Einwohner liege der Freistaat noch immer über dem Bundesschnitt von 1,5 Quadratmeter sowie über anderen Bundesländern wie Sachsen und Brandenburg mit jeweils etwa 1,66 Quadratmeter.

Allerdings gebe es erhebliche regionale Unterschiede. So sei im Eichsfeld, im Ilm-Kreis, in Sömmerda, im Unstrut-Hainich-Kreis, im Wartburgkreis und in Weimar die Verkaufsflächenzahl um bis zu vier Prozent gestiegen, hieß es. Die meisten Landkreise und kreisfreien Städte verzeichneten jedoch einen Rückgang der Verkaufsflächen von rund einem Prozent in Greiz bis rund zehn Prozent in Suhl.

Die geringsten Leerstandsquoten (zwischen 10 bis 15 Prozent) gibt es den Angaben nach in Hildburghausen, Erfurt, Jena und Weimar. Die höchsten Quoten weisen mit mehr als 30 Prozent der Unstrut-Hainich-Kreis, der Kyffhäuserkreis, Sömmerda, der Saale-Orla-Kreis, Gera und das Altenburger Land auf.

Der Trend zu Geschäftsaufgaben ist deutschlandweit zu beobachten. Die Gründe dafür seien vielfältig, hieß es. So habe der Online-Handel als stärkster Konkurrent des stationären Einzelhandels seit der Corona-Pandemie weiter an Marktanteilen hinzugewonnen. Zudem fehlten dem inhabergeführten Einzelhandel Nachfolger für die Übernahme. Wenn innerstädtische Ladenlokale schließen und längere Zeit leer stünden, sinke außerdem die Attraktivität der gesamten Innenstadt und erschwere das Geschäft der verbliebenen Läden zusätzlich. Ferner habe seit 2017 die Thüringer Bevölkerung um zwei Prozent abgenommen, wodurch Kaufkraft und Umsatzpotenziale schwinden.

© dpa-infocom, dpa:230917-99-224384/4

Teilen: