Spee war zu DDR-Zeiten das vielleicht bekannteste Waschmittel und hat als Marke bis heute überlebt., © Thorsten Heideck/DDR Museum/dpa/Archivbild
  • Nachrichten

Spee und «Senftenberger Sitzei»: Die DDR in 200 Objekten

27.03.2023

Ein leuchtend rotes Ding aus Plaste, formvollendet und alltagspraktisch: Das «Senftenberger Sitzei» gehört zu den originellsten Relikten, die das Berliner DDR-Museum in seinem neuen Bildband «DDR-Alltag in 200 Objekten» präsentiert. Das Gartenmöbel - zusammengeklappt eben eiförmig, wasserdicht und transportabel - wurde Anfang der 1970er Jahre vom VEB Synthesewerk Schwarzheide in Senftenberg produziert und kostete schon zu DDR-Zeiten ein Vermögen. Heute darf man auf eBay gerne mal ein paar Tausend Euro hinblättern.

Dieser Hauch von Weißt-du-noch durchzieht das ganze Buch - von Tempolinsen bis zum Kunsthonig («plus zehn Prozent Bienenhonig»), vom Kaffeemix bis zu Karo-Zigaretten, von Florena Kölnisch Wasser bis zum Spee Mehrzweckwaschmittel. Produkte, die jeder und jede in der DDR kannte und von denen nur sehr wenige überlebt haben. «Wohl niemals in der Geschichte hat es einen so harten Schnitt in der Objektwelt gegeben, wie am 1. Juli 1990», heißt es in der Einleitung zum Buch.

Der Tag der Währungsunion war auch der Untergang vieler DDR-Produkte, die plötzlich als alt, grau und rückständig galten. Die Westkonkurrenz lockte mit bunter Verpackung und Geschmacksverstärkern. Erst später keimte dieses nostalgische Sehnen nach der verlorenen Heimat Ost.

So «genießt die materielle Hinterlassenschaft des untergegangenen Staates heute beinahe kultische Verehrung», schreiben die Macher des Bildbands, der am 1. April offiziell erscheint. Sie erklären den Stellenwert der Güter auch damit, dass sie im DDR-Alltag oft schwer zu bekommen waren. Man stand für sie Schlange, man bewahrte und reparierte das Ergatterte. «Während man den Westen als Wegwerfgesellschaft bezeichnete, könnte man analog im Osten von einer 'Aufhebegesellschaft' sprechen», heißt es weiter.

Das Senftenberger Sitzei übrigens überlebte die deutsche Vereinigung wie einige andere DDR-Klassiker. Das Buch erzählt die Geschichte so: Designer Peter Ghyczy hatte den originellen Gartensessel zwischen 1968 und 1972 in einer westdeutschen Firma in Lemförde in Niedersachsen entwickelt. Als diese ihre Design-Abteilung schloss, wurde die Polyurethan-Technik an die DDR verkauft und mit ihr die Rechte am Sitzei. In den 1990er Jahren nahm Ghyczy die Produktion in einer eigenen Firma in den Niederlanden wieder auf.

© dpa-infocom, dpa:230327-99-99872/4

Teilen: