Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) spricht.Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) spricht.
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Schloss Reinhardsbrunn mit Baustellen: Kein konkreter Plan

25.02.2022

Rund um Schloss Reinhardsbrunn und den Park in Friedrichroda steht ein Bauzaun. Die Fenster sind teils mit Brettern verschlossen. Noch ist das Schloss für die Öffentlichkeit unzugänglich. Das soll sich im Laufe des kommenden Jahres ändern. Man hoffe, zum Ende 2023 interessierten Bürgerinnen und Bürgern erste Ergebnisse der Arbeit an dem Schloss, genauer, in der zugehörigen Kapelle, zeigen zu können, sagte die Staatssekretärin des Thüringer Infrastrukturministeriums, Barbara Schönig, am Freitag bei einer Besichtigung in Friedrichroda.

Doch auch dann wird nicht mehr als eine Baustelle zu sehen sein. Putz bröselt von der Wand, Stuck hängt nur noch in Teilen und Holzdielen wölben sich vom Boden oder fehlen komplett. Seit vor einem Jahr per Urteil dem Land der Weg der Enteignung des historischen Schlosses geebnet wurde, sind lediglich Sicherungsarbeiten getätigt worden. «Das, was Sie im Moment sehen, ist nur die Unterbrechung des Verfalls», sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Freitag bei einer Besichtigung.

Schloss Reinhardsbrunn war im Juli 2018 mit Beschluss des Landesverwaltungsamtes enteignet worden, um es vor dem Verfall zu retten. Eine Consulting-Firma, die das Anwesen besaß, hatte jahrelang nichts an dem Ensemble gemacht. Nach einem zähen Rechtsstreit ebnete schließlich das Landgericht Meiningen mit seinem Urteil am 20. Januar 2021 den Weg zur Enteignung des historischen Gebäudes.

Erst Ende September 2021 folgte dann der Grundbucheintrag, mit dem der Wechsel des Schlosses in Landesbesitz schließlich besiegelt wurde. Das Enteignungsverfahren gilt als Präzedenzfall im Denkmalschutz in Deutschland.

Schloss Reinhardsbrunn war 1827 auf der Ruine des Hausklosters der Thüringer Landgrafen errichtet worden. Es wurde viele Jahre als Hotel genutzt und gehört mit zu den bedeutendsten Schlossanlagen der Neugotik in Thüringen.

Auch weiterhin bleibt offen, wo es mit dem historischen Anwesen hingehen soll. «Es gibt nicht den Plan A, B oder C, den ich Ihnen jetzt präsentieren könnte», so Ramelow weiter. Man sei «noch nicht an der Stelle, wo wir sagen, jetzt steigen wir in die Generalsanierung ein.» Gemeinsam mit Gemeinde, Landkreis und Förderverein soll nun überlegt werden, was aus dem Anwesen werden könne. Dabei lasse man sich aber nicht unter Druck setzen.

Man rede offen mit jedem, der mit einem Konzept ums Eck komme. Bis dahin verbiete es sich, eine fertige Idee im Kopf zu haben, so Ramelow. «Das haben wir hier in diesem Objekt drei Mal erlebt - und es war jedes Mal eine krachende Niederlage.» Noch vor der Pandemie habe es Gespräche mit zwei möglichen Investoren gegeben, darunter auch ein Hotelinvestor. «Dann kam die Pandemie und dann waren die alle weg.»

Auch mit der Prinz Charles Stiftung sei im regen Austausch, so der Ministerpräsident; die Rückmeldungen aus England seien «äußert positiv». Queen Victoria war einst gern gesehener Gast in dem Schloss. Zudem sei die Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten in der Lage, die Immobilie «über eine lange Distanz zu verwalten zu erhalten und zu betreuen. - Möglicherweise wird das ein Weg sein, das schauen wir uns jetzt an», so Ramelow.

Die bisherigen Bauarbeiten in dem Anwesen haben nach Angaben von Schönig rund 500 000 Euro gekostet. Dafür wurden etwa die Dächer vor Regen gesichert, statisch gesichert und Restaurationen vorgenommen sowie Wildwuchs im Park entfernt. Zur Rettung der für Thüringen kulturhistorisch bedeutsamen Anlage stehen nach Ministeriumsangaben in diesem Jahr 2,6 Millionen Euro bereit.

© dpa-infocom, dpa:220225-99-285961/4

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