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Schiefer Kirchturm künftig für Touristen zugänglich

31.01.2022

Thüringens bekanntester Kirchturm wird touristisch neu erschlossen. Der vor dem Abriss gerettete schiefe Turm der Oberkirche in Bad Frankenhausen soll bis 2024 ein modernes Besucherzentrum erhalten. Damit wird das um 4,60 Meter aus dem Lot geratene Bauwerk im Kyffhäuserkreis künftig auch für Besucher zugänglich sein. Das Land unterstützt das neue touristische Konzept mit rund 3,9 Millionen Euro, wie das Wirtschaftsministerium anlässlich der Übergabe der Förderbescheide am Montag mitteilte. Der Turm in der Kleinstadt am Fuß des Kyffhäusers ist schiefer als der berühmte Turm von Pisa, der nur um 3,92 Meter geneigt ist.

Das neue Besucherzentrum in dem Turm wird auch die Ruine des Kirchenschiffs einbeziehen, wie Bad Frankenhausens Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) sagte. Das Zentrum wird sich nach Ministeriumsangaben über drei Geschosse erstrecken. Die dortige Ausstellung soll auch über Baugeschichte und Nutzung der Kirche sowie über das ortspezifische Heilmittel Sole und die besondere Geologie des Kyffhäusergebirges informieren. Über eine Plattform gelangten Besucher ins Innere des Turms, auf Austritten könne das «Kippen» des Turms und die Aussicht auf Bad Frankenhausen erlebt werden. Mit VR-Brillen werde zudem das Raumgefühl im schiefen Turm auch virtuell sichtbar.

Der Entwurf für das Besucherzentrum stammt von einem Berliner Architekturbüro, das 2019 einen von dem staatlich anerkannten Soleheilbad ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden hatte. Die Gesamtinvestitionen in den Kirchturm werden mit rund 10,5 Millionen Euro beziffert, die bereits beendeten Sicherungsarbeiten eingeschlossen.

2014 hätte Bad Frankenhausen sein Wahrzeichen beinahe verloren, weil es sich gefährlich weiter neigte und kurz vor dem Abriss stand. Geld für die kostspielige Sanierung fehlte. Mithilfe von Spenden und Bundesmitteln konnte es aufgebracht werden, 2016 wurde der Turm schließlich mit einer Stützkonstruktion dauerhaft gesichert, mehr als eine Million Euro flossen in die Arbeiten. 2018/19 folgte die Sanierung der Turmhaube.

Seit 2014 gibt es einen von der Kur- und Tourismus GmbH Bad Frankenhausen betriebenen Infopavillon am schiefen Turm. Jährlich werden dort etwa 30.000 Besucher gezählt, obwohl der Turm noch gar nicht begehbar ist.

Der Kirchturm soll auch privatwirtschaftliche Investitionen in den Tourismus der Kurstadt ankurbeln. Dem Bürgermeister zufolge plant ein privater Investor einen Ferienpark mit 28 Appartements und 18 Ferienwohnungen auf dem Areal einer ehemaligen Kurklinik, die Baugenehmigung dafür liege vor. An der Kyffhäuser-Therme soll ein Hotel mit rund 80 Zimmern entstehen.

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© dpa-infocom, dpa:220131-99-912086/3

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