RB Trainer Marco Rose lacht zu den Leipzig-Fans bei der Ankunft auf dem Trainingsplatz., © Christian Modla/dpa/Archivbild
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Scheinheiligkeit und knackige Wochen: RB-Duell mit Union

10.02.2023

Eigentlich ist Marco Rose ein stiller Bewunderer des 1. FC Union Berlin. «Sie treffen viele gute Entscheidungen auf dem Transfermarkt, konzentrieren sich auf Spieler, die zur Spielidee passen. Und der Trainer versteht es, die Qualität der Spieler auf den Platz zu bringen», sagte der Trainer von RB Leipzig und fasste zusammen: «Guter Trainer, gute Transfers, gutes Umfeld. Das führt zu Platz zwei in der Bundesliga.» Ein kleiner Verein sei Union für Rose schon lange nicht mehr, sondern vielmehr vollwertiges Mitglied der Liga.

Nur für eine Sache hat der 46-Jährige eher wenig Verständnis. Das Schweigen der Union-Fans in den Duellen der Clubs. Auch am Samstag (18.30 Uhr(Sky) beim Topspiel werden die Zuschauenden der Köpenicker die ersten 15 Minuten des Spiels wieder in Stille ausharren - als Protest gegen das sogenannte Konstrukt RB Leipzig.

«Lächerlich ist es nicht, man sollte das schon ernst nehmen. Legitim ist das sicher auch. Ich empfinde das hier und da auch als scheinheilig», sagte Rose dazu. «Ich muss immer wieder schmunzeln, wie viele Leute darauf anspringen und sich auf jeden Fall noch mal äußern müssen.» Er selbst versuche, «hier Fußball zu arbeiten, Fußball zu spielen».

Dass Union Berlin sich stets als anders und kultig aufführt, ist eben Kern der eigenen Marke. Doch spätestens seit der - am Ende gescheiterten - Verpflichtung des spanischen Dribblers Isco, hat diese Vermarktung ihren roten Faden verloren. «Union kämpft darum, dieses Underdog-Image so lange wie möglich aufrechtzuerhalten», sagte Rose. Doch auch da werde mittlerweile sehr gutes Geld bezahlt und über Spieler diskutiert, die bei anderen Vereinen nicht auf dem Zettel stünden. Das habe man sich alles hart erarbeitet.

Die Union-Proteste gegen Leipzig gab es bereits zu Zweitligazeiten. Die Köpenicker stiegen drei Jahre nach den Sachsen auf und liegen vor dem 20. Spieltag als Zweiter drei Punkte vor dem viertplatzierten Leipzig. Die vergangenen vier Duelle in der Bundesliga entschied allesamt Union für sich. Rose kümmert das nicht: «Meine persönliche Bilanz ist nicht schlecht.» In sechs Spielen als Trainer von Gladbach und Dortmund gab es drei Siege, zwei Unentschieden und nur eine Niederlage.

Mit einem weiteren Spiel ohne Niederlage stünde Rose dann bei 19 ungeschlagenen Partien nacheinander. Das hat zu Leipziger Erstliga-Zeiten noch kein Trainer geschafft und es wäre so etwas wie ein erster kleiner Höhepunkt der bisher erfolgreichen Amtszeit Roses. Auch wenn der Leipziger das gar nicht so gern hört - und womöglich auch selbst nicht so wahrnimmt. Der Blick geht eher noch weiter voraus: «Die nächsten Wochen werden knackig, weil es alles direkte Konkurrenten sind. Union ist der Auftakt dafür. Wir wollen versuchen, dominant zu sein.»

Sein dominanter Abwehrchef Willi Orban wird Rose womöglich fehlen. Unter der Woche hatte der ungarische Nationalspieler Stammzellen gespendet, er hat bisher nur leicht individuell trainiert. «Er hat noch eine Untersuchung, es geht um die Milz», sagte Rose am Freitag. «Je nachdem wie körperlichen Veränderungen nach der medikamentösen Einstellung und der Blutplasma-Entnahme sind, werden wir sehen, ob es geht oder nicht. Er will unbedingt.»

Christopher Nkunku ist noch kein Kandidat für den Kader. Deutschlands Fußballer des Jahres trainierte zwar in dieser Woche nach seiner schweren Knieverletzung wieder mit der Mannschaft, doch Rose will bei seinem besten Torschützen kein Risiko eingehen. «Er wird keine Rolle spielen können. Er braucht noch eine ganze Trainingswoche», sagte der 46-Jährige. Perspektivisch soll Nkunku in Wolfsburg am 18. Februar wieder im Kader stehen.

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