Helmut Holter (Linke), Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport., © Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
  • Nachrichten

Realschulverband übt scharfe Kritik an Holters Vorschlägen

30.12.2022

Der Verband Deutscher Realschullehrer hat die Ideen des Thüringer Bildungsministers Helmut Holter zur Bekämpfung des Lehrermangels scharf kritisiert. Der Linke-Politiker fabuliere «über Absenkung der Sprachkompetenz für angehende Lehrerinnen und Lehrer und Qualitätsabbau in der Lehrkräfteausbildung», hieß es in einer Mitteilung des Verbands vom Freitag. Verbandschef Jürgen Böhm sagte, dies gleiche eher einer «Verzweiflungstat als einer Idee für die Zukunft der Bildung».

Zudem warf er Holter vor, «Einheitsschulen» zu propagieren. Ähnliche Kritik mit teils gleicher Wortwahl am Konzept der schulstufenbezogenen Lehrerausbildung äußerte in der Vergangenheit immer wieder die Thüringer CDU-Fraktion.

Linke, SPD und Grüne wollen in Thüringen die Lehrerausbildung umstellen. Bisher werden die Lehrer nach Schulart ausgebildete - also beispielsweise für Grundschulen, Regelschulen oder Gymnasien. Ein Entwurf für ein Gesetzespaket sieht vor, dies zu ändern und Lehrerinnen und Lehrer künftig nach Schulstufen auszubilden. Die Idee dahinter ist, dass man diese Lehrkräfte dann flexibler dort einsetzen können soll, wo sie gebraucht werden. Der seit Jahren starke Lehrermangel in Thüringen ist an Regelschulen besonders schlimm.

Allerdings werden dem Vorhaben wenig Chancen eingeräumt, Rot-Rot-Grün hat im Landtag keine Mehrheit und die Fraktionen von CDU und AfD sowie die parlamentarische Gruppe der FDP sind gegen eine solche Reform der Lehrerausbildung.

Zudem hatte Holter in den vergangenen Wochen weitere Vorschläge gemacht, um den zuletzt noch einmal gestiegenen Unterrichtsausfall in den Griff zu bekommen. So plädierte er unter anderem dafür, auch Fachhochschulabsolventen unbefristete Stellen im Seiteneinstieg zu ermöglichen, ein duales Studium für Regelschullehrer einzuführen und die Hürden für Lehrer aus dem Ausland abzusenken.

«Man kann Lehrerausbildung nicht über einen Kamm scheren und die Lehrer schon gar nicht einfach von der Straße wegfangen», sagte Böhm. Man brauche Initiativen, um junge Menschen für spezifische Lehrämter zu gewinnen. «Schule muss ein attraktiver Arbeitsplatz sein - mit Aufstiegsmöglichkeiten und Handlungsspielräumen für junge Menschen», hieß es in der Mitteilung.

© dpa-infocom, dpa:221230-99-54589/3

Teilen: