Jennifer Scherf, Online-Pfarrerin, mit ihrem Laptop.Jennifer Scherf, Online-Pfarrerin, mit ihrem Laptop.
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Queerer Online-Gottesdienst: Kirche zu sicherem Ort wird

31.01.2022

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will Vielfalt feiern - und beschäftigt sich mit der Situation queerer Gläubiger in einem Online-Gottesdienst. Den ganzen Februar über wird der Gottesdienst unter dem Motto «Vielfalt und Glaube» auf der Internetseite der Online-Kirche verfügbar sein, wie Pfarrerin Jennifer Scherf der Deutschen Presse-Agentur vorab sagte. «Grundsätzlich wollen wir uns als Kirche dem Thema öffnen und den Wandel mitgestalten, damit Kirche zu einem sicheren und offenen Ort wird, gerade für die queere Community.»

Als queer bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Anlass ist demnach der sogenannte «Queer History Month», der sich mit der Geschichte queerer Menschen beschäftigt. Der Gottesdienst sei unabhängig von der Aktion der 125 Priester und Beschäftigten der katholischen Kirche entstanden, die sich geoutet haben. Viele Aufnahmen seien zu diesem Zeitpunkt schon im Kasten gewesen, sagte Scherf. «Ich finde es aber schön, dass wir als Gemeinde darauf reagieren können und sagen können: Ja, ihr habt Recht. Kirche muss offen sein - hier ist unser Beitrag.» Drei evangelische Gläubige berichten in dem Online-Gottesdienst darüber, welche Erfahrungen sie mit der Kirche gemacht haben - positive wie negative.

Scherf, die seit September als einzige Online-Pfarrerin der EKM arbeitet und in Leipzig lebt, hat bei dem Gottesdienst laut eigenen Angaben die liturgische Rolle eingenommen. Als lesbische Pfarrerin sei sie aber natürlich sehr berührt von dem Thema. «Ich habe in der Kirche auch beides erlebt: Schmerz und offene Arme», sagte Scherf.

Deshalb sei es ihr sehr nahe gegangen, dass sich Landesbischof Friedrich Kramer an der Aktion beteiligte. Er entschuldigt sich laut Angaben der Online-Kirche im Gottesdienst stellvertretend für das Leid, das Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität in der Kirche erlebt haben. «Ich bekenne für unsere Kirche, wir haben uns schuldig gemacht, indem wir die Vielfalt der göttlichen Schöpfung nicht wahrgenommen und wertgeschätzt haben, sondern sie abgewertet haben», sagt er darin.

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© dpa-infocom, dpa:220131-99-911643/2

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