Ein Mikrofon in einem Gerichtssaal., © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild
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Polizeiwagen abgebrannt: Angeklagter wollte Frau imponieren

07.09.2022

Im Prozess wegen Brandstiftung mit 15 zerstörten Polizeiautos hat der Angeklagte die Tat vor neun Jahren durch seinen Anwalt gestanden. Der heute 30-Jährige habe damals «wie in der Anklage gelesen» gehandelt, sagte sein Verteidiger beim Prozessauftakt am Mittwoch vor dem Landgericht Erfurt. Sein Mandant habe dabei einer anwesenden Frau imponieren wollen. Es handle sich nicht - wie teilweise in den Jahren seit der Tat spekuliert - um eine politische Tat.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten gemeinschaftliche Brandstiftung mit einem unbekannt gebliebenen Mittäter vor. Er soll im September 2013 in einem Erfurter Autohaus 15 nagelneue und noch nicht ausgelieferte Polizeiautos in Brand gesteckt haben. Zwei weitere für die Polizei bestimmte Wagen wurden bei dem Feuer beschädigt. Dabei entstand ein Gesamtschaden von rund 750.000 Euro.

Die Brandstiftung hatte seinerzeit für große Aufregung und Bestürzung bei der Polizei und in der Politik gesorgt. Lange Zeit wurde erfolglos nach Tätern gefahndet und eine Belohnung von 20.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Nach der Meldung eines Zellengenossen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tonna, wo der Angeklagte aktuell unter anderem wegen des Anzündens von Müllcontainern und Lastwagen einsitzt, wurden Ermittlungen aufgenommen. 2021, rund acht Jahre nach dem Vorfall, wurde dann Anklage erhoben.

Der damals 26-Jährige, der bereits zweimal wegen Brandstiftung verurteilt wurde, habe 2018 in der JVA mit der Tat vor ihm geprahlt, sagte der 32-jährige Erfurter. Er habe detailliert von der Tat erzählt; etwa, dass er «Grillanzünder, wie man ihn im Supermarkt kaufen kann» benutzt habe.

Insgesamt soll der «ansonsten eher schüchtern und unbeholfen» wirkende Mann ihm «mit einem leichten schelmischen Grinsen im Gesicht» von rund 40 Taten erzählt haben. Als Erfurter, der von den Bränden der Polizeiautos in seiner Stadt gehört hatte, sei er bei diesem Fall stutzig geworden, da er nicht wusste, ob er damals aufgeklärt wurde. «Ich hab mir gedacht, sowas kann nicht ungesühnt bleiben. Ich sitz hier ja auch meine Strafe ab.»

Nicht alle Aussagen des Zeugen seien zutreffend, sagte der Verteidiger nach der Zeugenbefragung. Dass sein Mandant sich in diversen Gesprächen seinem Mit-Insassen geöffnet habe - unter anderem bezüglich der brennenden Polizeiautos -, sei aber korrekt. Bis Mitte Oktober sind vorerst drei weitere Termine geplant.

© dpa-infocom, dpa:220906-99-654567/5

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