Zwei ältere Personen gehen Hand in Hand mit einem Gehstock über einen Weg und werfen einen langen Schatten., © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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Nur drei Thüringer Städte von Einwohnerschwund verschont

09.04.2024

Thüringen gehört nach einer Prognose in den nächsten Jahren zu den Bundesländern mit dem stärksten Bevölkerungsschwund. Die Zahl der Einwohner im Freistaat werde zwischen 2020 und 2040 um 230.000 sinken - ein Rückgang von 10,9 Prozent auf 1,89 Millionen. Das geht aus dem neuen «Wegweiser Kommunen» der Bertelsmann Stiftung mit einer Bevölkerungsvorausberechnung hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

«Der Trend ist also erheblich negativer als auf Bundesebene mit plus 0,6 Prozent. Damit ist in Thüringen nach Sachsen-Anhalt der höchste relative Bevölkerungsrückgang unter allen Bundesländern zu erwarten», heißt es in der Studie.

Die einzelnen Regionen und Städte in Thüringen seien unterschiedlich betroffen. Als relativ stabil wird die Entwicklung in den kreisfreien Städten Erfurt, Jena und Weimar eingeschätzt. Nach der Prognose hat Thüringens Landeshauptstadt im Jahr 2040 knapp 215.000 Einwohner, Jena 109.000 und Weimar 64.000. Thüringens drittgrößte Stadt Gera würde 11,7 Prozent auf dann noch 81.400 Einwohner verlieren.

Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Größe der Kommunen und der Einwohnerentwicklung - Verlierer seien die kleinen Kommunen mit 20.000 Einwohnern und weniger, heißt es in der Studie.

Die größten Verlierer unter den Regionen

Überdurchschnittlich hohe Bevölkerungsrückgänge mit mehr als 15 Prozent seien dagegen in sechs Landkreisen und der kreisfreien Stadt Suhl zu erwarten. Nach der Prognose verliert das Altenburger Land in diesem Zeitraum 17,4 Prozent seiner Einwohner, der Kreis Greiz 19,5 Prozent, der Kyffhäuserkreis 15,5 Prozent, der Saale-Orla-Kreis 15,6 Prozent, der Saale-Holzland-Kreis 16,2 Prozent und der Kreis Saalfeld-Rudolstadt 18,1 Prozent. Die Stadt Suhl soll danach um 17,1 Prozent auf 30.200 Einwohner schrumpfen.

Zudem wird in den nächsten beiden Jahrzehnten die Zahl der Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Schulalter sinken - und zwar zwischen 23 und knapp 9 Prozent.

Zahl der Erwerbsfähigen sinkt deutlich

Bei den Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 25 und 64 Jahren liegt der Rückgang danach bei gut einem Fünftel - bei großen regionalen Unterschieden. «Bei den jüngeren Erwachsenen gibt es einen leichten Zuwachs und die Zahl der ab 80-Jährigen steigt sehr deutlich an», heißt es in der Studie, die die Stiftung für alle Bundesländer vorgelegt hat. Der Anteil der mindestens 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung im Freistaat stiege von derzeit jedem vierten Einwohner auf jeden dritten - das sei deutlich mehr als im bundesweiten Mittelwert.

Die familien- und seniorenpolitische Sprecherin der Linke-Landtagsfraktion, Cordula Eger, geht davon aus, dass sich Thüringen stärker auf die Bedürfnisse und Belange von älteren Menschen einstellen muss. Das gelte für Infrastruktur, Gesundheitswesen sowie kulturelle und soziale Angebote. Sie verwies auf das bundesweit bisher einmalige Thüringer Programm gegen Alterseinsamkeit «Agathe - älter werden in Gemeinschaft». Das Programm sei überprüft worden, am kommenden Montag würden Ergebnisse vorgelegt. «Die Weiterentwicklung von Agathe und der flächendeckende Ausbau der Angebote ist für uns ein wichtiges Anliegen», erklärte Eger.

© dpa-infocom, dpa:240409-99-607060/5

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