Arbeiter saugen mit einem Schlauch die letzten Reste Porzellan aus dem letzten Verteidigungsturm der Leuchtenburg.Arbeiter saugen mit einem Schlauch die letzten Reste Porzellan aus dem letzten Verteidigungsturm der Leuchtenburg.
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Letzter Verteidigungsturm der Leuchtenburg wird freigelegt

13.01.2022

Auf der Leuchtenburg bei Kahla wird seit Donnerstag der letzte von vier vor rund 550 Jahren erbauten Verteidigungstürmen freigelegt. Wie die Stiftung Leuchtenburg mitteilte, soll zunächst ein Saugbagger am sogenannten Schleierturm die dort gesammelten Glücksscherben aus den Anfängen der Leuchtenburger Porzellanwelten entfernen. Im Anschluss soll rund 150 Jahre alter Schutt entfernt werden, bevor dann die archäologischen Arbeiten beginnen können.

Der rund zehn Meter hohe Turm unterscheidet sich von den anderen Türmen der Wehranlage. Er ist tropfenartig geformt und von mächtigem Mauerwerk umgeben. Nach Angaben des Bauforschers Benjamin Rudolph, der die Anlage 2012 bis 2015 untersuchte, war er der einzige Turm, der vom gegenüberliegenden Berg mit Artillerie getroffen werden konnte. «Die Mauerverstärkung bot zusätzlichen Schutz und konnte angreifende Kugeln ablenken.»

Der Schleierturm wurde den Angaben zufolge früher unter anderem als Gefängnis genutzt und verdankt seinem Namen dem früheren Insassen Hans Schleier, der dort im Jahr 1535 wegen Wiedertäuferei - also einer abweichenden Auslegung der vorherrschenden religiösen Lehrmeinung - einsaß. Zur Klärung der Glaubensfrage kam auch der berühmte Theologe Philipp Melanchthon auf die Leuchtenburg. Dessen Verhörprotokoll führte schließlich zum Freispruch Schleiers.

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