Die Hände einer schwangeren Frau mit Zigarette umfassen den Bauch mit dem künftigen Baby.Die Hände einer schwangeren Frau mit Zigarette umfassen den Bauch mit dem künftigen Baby.
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Landesweites Projekt für drogenabhängige Schwangere geplant

31.05.2022

Ein Jenaer Unterstützungsprojekt für suchtkranke Schwangere soll künftig auch thüringenweit etabliert werden. Ab 2024 sei geplant, das Pilotprojekt «clean4us» (zu Deutsch: Sauber für uns) vom Uniklinikum Jena aus auf andere Krankenhäuser im Freistaat auszuweiten, sagte Projektkoordinatorin Liane Menke der Deutschen Presse-Agentur. Dazu liefen bereits die ersten Gespräche, die Umsetzung soll ab kommendem Jahr folgen. Auf einer Fachtagung am Dienstag in Jena wollen sich zudem etliche Expertinnen und Experten über die Folgen von Drogenkonsum in der Schwangerschaft austauschen.

«Clean4us» läuft seit dem Herbst 2020 am Jenaer Universitätsklinikum. In der Zeit seien etwa 35 bis 40 Frauen betreut worden, sagte Menke. Anfangs habe das Projekt lediglich Frauen angesprochen, die abhängig von der Droge Crystal Meth sind. Im Laufe der Zeit habe sich aber herausgestellt, dass viele Betroffene mehrere Substanzen konsumieren. «Uns fällt auch auf, dass es immer mehr Frauen gibt, die in der Schwangerschaft rauchen. Das ist ein Problem, weil es da kein großes Bewusstsein gibt, dass das eine schädigende Wirkung haben könnte.»

Ziel des Projektes sei, dass die Frauen in der Schwangerschaft die Drogen absetzen. «Das kann man zügig erreichen. Aber dafür müssen die Frauen auch eine Eigenmotivation mitbringen.» Der Konsum von Crystal Meth könne dazu führen, dass Kinder häufiger zu früh auf die Welt kommen und mehr Probleme haben, ihr Geburtsgewicht aufrechtzuerhalten. Viele müssten wochenlang in der Klinik bleiben.

Letztlich gehe es bei «Clean4us» darum, dass Mutter und Kind zusammenbleiben könnten - und das gehe am Besten, wenn der Konsum möglichst früh auf Null gefahren werde. Daher sei es auch wichtig, dass Frauen möglichst frühzeitig mit dem Projekt in Kontakt kommen. Meist erfolge das über Hebammen oder Frauenärzte, teils auch über Jugendämter. «Dass Frauen von selbst zu uns kommen, habe ich noch nicht erlebt.»

In Jena werden Menke zufolge vor allem Frauen aus dem näheren Umland betreut - also Jena, dem Saale-Holzland-Kreis, oder auch Gera, wo es eine hohe Betroffenheit gebe. Das liege daran, dass sie als Projektkoordinatorin in Jena ein entsprechendes Netzwerk an Suchtkliniken, Suchtstationen oder Tageskliniken habe. In anderen Landesteilen sei das schwierig, dort könne sie nur vermitteln.

Die Erfahrungen in Jena sollen nun als Vorlage für die Ausweitung des Projekts in andere Städte dienen, sagte sie weiter. Wichtig sei, dass die entsprechenden Kliniken Perinatalzentren haben - es kämen also eher größere Häuser in Erfurt, Weimar, Saalfeld oder Gera in Frage.

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