Studierende sitzen während einer Vorlesung im Hörsaal.Studierende sitzen während einer Vorlesung im Hörsaal.
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Land fördert bis 2025 Studien-Initiative «ArbeiterKind»

05.02.2022

Thüringen unterstützt auch künftig eine Initiative für Studierende aus akademikerfernen Haushalten. In den nächsten drei Jahren werde das Land bis zu 340.000 Euro für die Ehrenamtsorganisation «ArbeiterKind.de» bereitstellen, wie das Wissenschaftsministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die bundesweit aktive, gemeinnützige Organisation setzt sich für Schüler aus Familien ohne akademischen Hintergrund ein, die ein Studium aufnehmen wollen. Bei Bedarf werden diese auch im Hochschulalltag begleitet.

Soziale Herkunft dürfe nicht über die Bildungschancen junger Menschen entscheiden, begründete Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Förderung der seit Ende 2017 in Thüringen tätigen Initiative. «Wir wollen jeden, der den Willen und die Fähigkeiten dazu hat, ermutigen, sich für ein Studium einzuschreiben.» Die Frage, ob ein Kind in einem Akademikerhaushalt groß geworden sei oder nicht, sollte dabei keine Rolle spielen.

Tatsächlich ist in Deutschland derzeit allerdings noch das Gegenteil der Fall: Laut dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung nehmen 79 von 100 Akademikerkindern, aber nur 27 von 100 Nicht-Akademikerkindern ein Studium auf. Einen Doktortitel erlangen am Ende nur ein Prozent der Studierenden aus Nicht-Akademiker-Familien - bei den Akademikerkindern sind es zehnmal so viele.

Gründe dafür sind dem Zentrum zufolge häufig fehlende Rollenvorbilder, mangelnde Informationen, eine Überschätzung von hochschulischen Leistungsanforderungen und eine Unterschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Schließlich spielten auch die längere Ausbildungsperspektive und Probleme bei der Finanzierung eines Studiums für die Eltern oft eine erhebliche Rolle.

«ArbeiterKind.de» bietet Informationsveranstaltungen an, organisiert Erfahrungsaustausche und berät Schüler und Studierende. Laut der Bundeslandkoordinatorin Anna Chombe wurden in Thüringen bisher rund 1250 Schüler und Studierende unterstützt. Häufiges Thema sei vor allem die Finanzierung des Studiums. Daher helfen die rund 30 Ehrenamtlichen in Thüringen beispielsweise auch bei der Beantragung von Stipendien.

Die Thüringer Koordinierungsstelle ist in Gera angesiedelt. Ortsgruppen gibt es in Erfurt, Jena und Weimar. Bundesweit engagieren sich rund 6000 überwiegend Ehrenamtliche für das Netzwerk.

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© dpa-infocom, dpa:220205-99-985490/2

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