Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) schaut in die Kamera.Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) schaut in die Kamera.
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Kramer: Gesprächskanäle nach Russland offenhalten

03.03.2022

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Friedrich Kramer, hält es für eine wichtige Aufgabe, Gesprächsmöglichkeiten mit Russland offen zu halten. Deutschland sollte aufgrund seiner Geschichte und aufgrund der vielfach guten Kontakte «ganz klar die Kanäle offen halten, Gespräche wieder anzuschieben», sagte Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Er finde es wichtig, international mit einer Stimme deutlich zu machen, dass es sich bei dem Angriff auf die Ukraine um einen Völkerrechtsbruch handelt und Sanktionen folgen. Skeptisch sei er, wenn man in der militärischen Frage auf einen Kurs gehe.

«Es wird ein Nach-dem-Krieg geben und da müssen wir zügig wieder in ein Gemeinsames kommen. Es wird eine wirklich sinnvolle Sicherheit für Europa nur mit Russland geben und nicht gegen Russland», sagte Kramer. Er war Ende Januar zum Friedensbeauftragten ernannt worden.

Kramer betonte: «Wir dürfen unsere Herzen nicht verhärten im Sinne von Feindschaften. Es beunruhigt mich, dass manche anti-sowjetischen, anti-kommunistischen Motive wieder auftauchen.» Man dürfe nicht in alte Feindbilder rutschen. «Russland ist nicht unser Feind. Wir haben es jetzt mit einer russischen Regierung zu tun, die in einer Weise agiert, die nicht zu rechtfertigen ist und die auch vollen Widerstand verlangt.»

Kramer sagte, für ihn sei deutlich, dass der Krieg in Russland nicht vermittelbar ist. «Das merkt man ja schon daran, dass da keiner von Krieg und Invasion sprechen darf, dass das unter Zensur versucht wird, das zu unterdrücken.» Das werde nicht klappen. «Die innere Plausibilität, also das russische Volk will keinen Krieg mit der Ukraine, das ukrainische Volk keinen Krieg mit Russland, das ist ganz deutlich.» Es sei ein «unwahrscheinlich dramatischer Bruderkrieg und Brudermord». Kramer betonte: «Wir müssen alles tun, dass die Menschen und die Zivilgesellschaft gerade auch in Russland auch stärker wird.»

Der Friedensbeauftragte sagte zudem: «Ich bin ganz klar gegen Waffenlieferungen.» Auch die angekündigten Milliarden-Investitionen in die Bundeswehr sehe er mit großer Sorge. «Ich denke, dass Hochrüstung und Abschreckung überhaupt nicht das ist, was den Frieden sichert.»

© dpa-infocom, dpa:220303-99-362416/2

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