«Friedrich Schiller Universität» steht am Eingang des Hauptgebäudes der Uni in Jena., © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
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Koordinierungsstelle soll über Koloniales Erbe aufklären

02.05.2022

Koloniale Beziehungen aus Thüringen nach Afrika und Asien sind in großen Teilen noch unerforscht. Um das Wissen um die koloniale Vergangenheit des Freistaats auszubauen und daraus entstandene Bezüge zu kennzeichnen und gegebenenfalls unrecht erworbene Bestände zurückgeben zu können, ist seit Ende vergangenen Jahres eine vom Land geförderte Koordinierungsstelle im Einsatz. «Es gibt ein berechtigtes - und in den letzten Jahren auch deutlich gestiegenes - Interesse der Zivilgesellschaft an einer sachorientierten Aufarbeitung der kolonialen Bezüge Thüringens. Dem tragen wir mit diesem Projekt Rechnung», sagt Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Am Montagabend soll die mit je einer Arbeitskraft an den Universitäten Erfurt und Jena angesiedelte Stelle, offiziell eröffnet werden. 345.000 Euro stellt das Land dafür zur Verfügung. Neben einem ersten umfassenden thüringenweiten Überblick, soll ein kritisches Bewusstsein für das Koloniale Erbe Thüringens in der Gesellschaft gefördert werden. Neun Professuren zur Kultur- und Gesellschaftsgeschichte, zur Geschichte der materiellen Kultur und zur Erforschung der Erinnerungskultur und geteilten Geschichte unter Einbeziehung von Vertretern aus dem Globalen Süden wirken mit. Um über die Universitäten hinaus zu wirken, sind Kooperationen mit Museen, Archiven, Gedenkstätten, Schulen, Kultureinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und migrantischen Vereinen vorgesehen.

Seit der Debatte um das Berliner Humboldt Forum und den Umgang mit Objekten aus kolonialen Zusammenhängen beobachtet auch der Thüringer Museumsverband ein gestiegenes öffentliches Interesse an dem Thema. Seit dem Sommer 2021 gibt es auch hier eine Koordinierungsstelle. Nahezu alle Museen in Thüringen verfügen laut einer Umfrage des 240 Mitgliedshäuser starken Verbands über unrechtmäßig entzogenes Kulturgut aus der Sowjetischen Besatzungszone oder DDR-Zeit in ihrem Bestand. Rund 90 Prozent aller Museen verfügen über NS-Raubstücke und rund die Hälfte aller Museen haben in irgendeiner Form Kontakt zu Objekten aus kolonialen Kontexten gehabt.

© dpa-infocom, dpa:220502-99-123496/4

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