Blick auf einen Davidstern als Wandbild in einer Synagoge., © Heiko Rebsch/dpa/Zentralbild/dpa/Symbolbild
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Jüdischer Landesrabbiner wechselt zur Bundeswehr

08.08.2023

Der Rabbiner der jüdischen Landesgemeinde, Alexander Nachama, beendet seine Tätigkeit in Thüringen. Nachama werde ab 1. September Militärrabbiner bei der Bundeswehr in Potsdam, sagte der Vorsitzende der Landesgemeinde, Reinhard Schramm, am Dienstag auf Anfrage. Der Gemeinde sei dies seit längerem bekannt. Nachama wechsele auf eigenen Wunsch, wobei neben dienstlichen auch familiäre Gründe eine Rolle bei seiner Entscheidung spielten. Nachama, Jahrgang 1983, war seit Herbst 2018 Landesrabbiner in Thüringen. Über seinen Weggang hatte zuvor die «Thüringer Allgemeine» (Online) berichtet.

Die Bundeswehr hatte vor rund zwei Jahren ihren ersten Militärrabbiner eingestellt und sucht seitdem nach weiteren jüdischen Geistlichen für das Militärrabbinat. Nach dem Soldatengesetz hat jeder Soldat und jede Soldatin Anspruch auf Seelsorge und Religionsausübung. Er gilt unabhängig von der zahlenmäßigen Stärke der jeweiligen Religionsgemeinschaft in der Bundeswehr.

Schramm bedauerte den Wechsel Nachamas, äußerte aber auch Verständnis. Nachamas Familie lebe in Berlin. Zudem habe er in Thüringen eine jüdische Schule vermisst. Nachama selbst war wegen Urlaubs nicht für Nachfragen erreichbar.

Die jüdische Landesgemeinde muss sich nun einen neuen Rabbiner suchen. Dies wolle sie «ganz in Ruhe» angehen, sagte Schramm. Bei den demnächst anstehenden jüdischen Feiertagen, darunter das Neujahrsfest und Yom Kippur jeweils im September, werde Nachama nochmals die Gottesdienste mit der Landesgemeinde feiern. Bis zur Klärung der Nachfolge sollen Gastrabbiner hinzugezogen werden. Die jüdische Landesgemeinde hat etwa 700 Mitglieder, die meisten von ihnen kamen seit den 1990er Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion.

© dpa-infocom, dpa:230808-99-767048/2

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