Arbeiter erhöhen die Sektorensperre an der Bernauer Straße in Berlin., © -/dpa/Archivbild
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Jahrestag des Mauerbaus: Stiftung beklagt Wissenslücken

09.08.2023

Vor dem Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961 beklagt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur große Wissenslücken. «Es sollte uns alarmieren, wenn nur eine kleine Minderheit unserer Schulabgängerinnen und Schulabgänger etwas mit den Kerndaten unserer Nachkriegsgeschichte anfangen kann», sagte Direktorin Anna Kaminsky der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einer Umfrage im Auftrag der Bundesstiftung wüssten sechs von sieben Befragten im Alter von 14 bis 29 Jahren nichts mit dem Datum 17. Juni 1953 anzufangen - dem Tag des gescheiterten Volksaufstands in der DDR. «Wir sprechen von jungen Menschen, die seit 2009 den Geschichtsunterricht im vereinten Deutschland durchlaufen haben», sagte Kaminsky. «Eine Umfrage zum 13. August 1961 würde mit Sicherheit ein vergleichbares Bild ergeben.»

An dem Tag vor 62 Jahren hatte die Führung der DDR mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen. Dies sollte die massenhafte Abwanderung von Menschen in den Westen Berlins und in die Bundesrepublik stoppen, der die DDR-Wirtschaft bremste und den Staat destabilisierte. Die Mauer wurde nach Massenprotesten in der DDR am 9. November 1989 geöffnet.

Kaminsky beklagte falsche Schwerpunkte in der Schule. «Hier spiegelt sich eine Bildungspolitik wider, die nicht nur allzu schnell bereit war, die Zahl der Wochenstunden für Geschichte und Gesellschaftskunde zugunsten der MINT-Fächer und anderer Schwerpunkte zu reduzieren», kritisierte sie.

«Zugleich dürften diese Wissensdefizite die Quittung eines allzu sehr auf Kompetenzvermittlung ausgerichteten Geschichtsunterrichts sein.» Dieser vermittle Schülerinnen und Schülern offenkundig kein ausreichendes und gemeinsames zeithistorisches Wissensfundament. Dabei gebe es bei jungen Leuten großes Interesse an der jüngsten Zeitgeschichte. Die Stiftung wolle Lehrkräfte ermutigen, dieses Interesse zu bedienen.

An der Berliner Mauer und der streng bewachten Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik kamen mehrere Hundert Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben. Wie viele es genau waren, wird bis heute erforscht. Das Berliner Mauermuseum legte am Mittwoch eine neue vorläufige Bilanz vor, die 1922 Todesfälle mit dem Grenzregime in Zusammenhang bringt. Neu in die Liste aufgenommen wurden den Angaben zufolge aber auch ungeklärte Todesfälle in Grenznähe sowie Selbsttötungen, darunter ein Fall an der Westgrenze der damaligen Tschechoslowakei.

Die Stiftung Berliner Mauer geht von einer nur etwa halb so großen Zahl aus: etwa 650 Opfer des DDR-Grenzregimes einschließlich von Menschen, die in der Ostsee ums Leben kamen. Die Stiftung nennt dies einen Näherungswert.

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