Irritationen nach Kritik von Vorsitzendem an Katholikentag
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Irritationen nach Kritik von Vorsitzendem an Katholikentag

03.12.2023

Das Bistum Erfurt und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) haben irritiert auf Kritik des Vorsitzenden des Trägervereins des Katholikentags reagiert. Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr und die ZdK-Präsidentin Stetter-Karp sehen in den Äußerungen von Manfred Ruge eine Belastung für die Zusammenarbeit, hatte das ZdK am Sonntag mitgeteilt. Neymeyr warf Ruge zudem «vereinsschädigendes Verhalten» vor.

Erfurts früherer Oberbürgermeister Manfred Ruge ist Mitglied der Katholikentagsleitung und ehrenamtlicher Vorsitzender des Trägervereins des Katholikentags. Als solcher hatte Ruge in einem am Samstag veröffentlichten Artikel der «Thüringer Allgemeine» unter anderem fehlende ostdeutsche Perspektiven im Programm des katholischen Laientreffens im kommenden Jahr in Erfurt bemängelt.

«Unsere Geschichten dürfen wir nicht erzählen», zitierte die Zeitung den 78-Jährigen. Demnach kritisierte er weiter, dass in den Veranstaltungen Themen aus Erfurt und dem Osten nicht vorkämen. «In den Podien ist nicht ein einziger Teilnehmer dabei, der in der DDR gelitten hat.»

Das Programm aber sei noch in der Planungsphase und werde erst Anfang März vollständig stehen, hieß es in der ZdK-Mitteilung. Zudem sei vereinbart worden, dass eine ostdeutsche Perspektive und spezifisch regionale Themen gebührende Berücksichtigung im Programm finden. Nach aktuellem Stand werden sich demnach DDR-Erfahrungen, die Wiedervereinigung und das christliche Leben in Ostdeutschland im Programm finden. In Ostdeutschland leben deutlich weniger Christen als in Westdeutschland. Die Kirchenpolitik der SED führte zu einer weitgehenden Säkularisierung der DDR.

«Herrn Ruges pauschale Behauptung, dass Erfurt und der Osten Deutschlands im Programm kaum vorkommen, ist also nicht nachvollziehbar.» Zudem arbeiteten ostdeutsche Katholikinnen und Katholiken in allen Gremien und Arbeitskreisen, die mit der Programmplanung zu tun haben, mit. Die Katholikentagsleitung habe auch mit Unterstützung Ruges alle Veranstaltungsformate beschlossen. «Wir bedauern es, dass er sich nun öffentlich von seiner eigenen Zustimmung distanziert. Für uns ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar.»

Auch Äußerungen Ruges im Artikel über mögliche Zweckbindungen von Zuschüssen der Stadt Erfurt zum Katholikentag stießen dem Bistum und dem ZdK auf. Ruge habe kein Mandat, um solche Gespräche mit der Stadt zu führen und habe zuvor auch nicht mit dem Bistum als Gastgeber des Katholikentags oder dem ZdK gesprochen. Stetter-Karp kritisierte, dass Ruge den Eindruck vermittle, die Gelder für den Katholikentag würden nicht zweckdienlich eingesetzt werden. «Diesen Vorwurf weisen wir zurück», so die ZdK-Präsidentin.

Bei dem vom ZdK veranstalteten Katholikentag werden im kommenden Jahr vom 29. Mai bis zum 2. Juni bis zu 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Erfurt erwartet.

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