Ein Pfeil weist den Weg zur Notaufnahme eines Krankenhauses., © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild
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Hunderte Babys 2021/22 wegen Atemwegsinfektion in Kliniken

02.04.2023

In Thüringen sind in der Erkältungssaison 2021/22 der Krankenkasse DAK zufolge Hunderte Babys vor ihrem ersten Geburtstag wegen einer Infektion mit dem Atemwegsvirus RSV in Kliniken behandelt worden. Hochgerechnet seien es 650 Säuglinge gewesen, teilte die Kasse mit. Damit habe sich die Zahl der wegen RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) stationär behandelten Kinder unter einem Jahr im Vergleich zur Saison 2018/19 - der letzten vor der Corona-Pandemie - verdoppelt, ebenso die Zahl der deswegen auf Intensivstationen behandelten Neugeborenen und Säuglinge. Dies habe 500 Kleinkinder betroffen.

Die Kasse hat in einer Sonderanalyse die RSV-Situation in Thüringen untersucht. Dafür wurden nach ihren Angaben Daten von 18 000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen in Thüringen, darunter 800 Babys, von 2017 bis Ende 2022 ausgewertet und auf alle in Thüringen lebenden Kinder hochgerechnet. In der DAK sind in Thüringen rund 130 000 Menschen krankenversichert, bei etwa zwei Millionen gesetzlich Krankenversicherten insgesamt in Thüringen.

Vor allem Ende vergangenen Jahres war es wegen Atemwegsinfektionen wie RSV deutschlandweit zu einer starken Belastung von Kinderkliniken und Kinderarztpraxen gekommen - begleitet von gravierenden Apotheken-Lieferengpässen bei Fiebersäften. Auch in Thüringen war die Situation in Kinderkliniken angespannt, nach früherer Einschätzung des Landesgesundheitsministeriums aber «beherrschbar» gewesen. RSV-Symptome bei Kleinkindern sind etwa Husten, Keuchen und Atempausen, eine laufende Nase, Appetitlosigkeit, teils auch Fieber.

Die Krankenkasse verwies auf Einschätzungen von Kinderärzten, wonach die Vervielfachung der Fälle im Vergleich zur Zeit vor Corona vor allem mit einem «Nachholeffekt» zu tun hat. Wegen der strikten Corona-Schutzmaßnahmen mit Schließungen von Kindergärten und Schulen sei die RSV-Saison 2019/20 abrupt abgebrochen und die Saison 2020/21 praktisch ausgefallen. Umso heftiger schlugen die Viren nach dem Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen zu. Eine ähnliche Situation wurde auch bei der Virusgrippe beobachtet.

© dpa-infocom, dpa:230402-99-179076/2

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