Zwei Wolfswelpen stehen auf einem Feld.Zwei Wolfswelpen stehen auf einem Feld.
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Hilfen für Schafhalter beim Schutz vor Wölfen verbessert

27.05.2022

Thüringens Weidetierhalter können jetzt mehr staatliche Förderung nutzen, um ihre Herden vor Wolfsangriffen zu schützen. Seit dieser Woche gelte eine neue Förderrichtlinie im Freistaat, die das ermögliche, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Erfurt. Für Schäfer und andere Viehhalter sollen dadurch mögliche wirtschaftliche Belastungen vermieden und Angriffe von Wölfen oder Luchsen auf ihre Nutztiere verhindert werden.

In Thüringen gibt es nach Angaben von Naturschützern und dem Ministerium derzeit etwa sechs standorttreue Wölfe sowie eine «Grenzgängerin» zwischen Niedersachsen und Thüringen im Harz.

Alle bisherigen Fördermöglichkeiten unter anderem für die Anschaffung von Zäunen und Schutzhunden blieben bestehen, neue wie Finanzhilfen für die Pflege der Zäune kämen dazu, erklärte Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). Es gehe um Prävention, aber auch Entschädigungen im Schadensfall.

Möglich sei das, weil die EU jetzt zusätzliche Förderpunkte beihilferechtlich notifiziert habe. «Es ist wichtig, dass wir die Schäferinnen und Schäfer jetzt noch besser unterstützen können. Wir brauchen die Betriebe in unserer Kulturlandschaft.» Ihre Tiere seien «Naturschützer auf vier Beinen», sagte Siegesmund.

Gefördert werden könnte nun auch die Arbeitsleistungen für das Aufstellen oder die dauerhafte Pflege von Zäunen zum Schutz von Schafen und Ziegen. Möglich seien bis zu 1230 Euro pro Zaunkilometer und Jahr. Neu sei auch eine mögliche finanzielle Unterstützung für die Ausbildung von Menschen, die mit Herdenschutzhunden arbeiten.

Zudem könnten jährlich bis zu 1920 Euro pro Hund als Haltungskosten gefördert werden. Hilfen könne es auch für feste Nachtpferche für die Weidetiere geben. Grundvoraussetzung für staatliche Mittel sei, dass die Flächen aus Gründen des Umweltschutzes beweidet würden. Anträge könnten an das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz gestellt werden.

Für Schutzmaßnahmen bei Weidetieren wurden laut Ministerium im vergangenen Jahr in Thüringen etwa 132.500 Euro aus der Landeskasse zur Verfügung gestellt. Der Betrag entspreche etwa dem von 2020. Die Rückkehr der unter Naturschutz stehenden Wölfe hat auch in Thüringen zu Diskussionen geführt, vor allem weil es zeitweise eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf gab, die häufig Weidetiere tödlich angegriffen hatte. Inzwischen sind so gut wie keine Wolfsrisse mehr bekannt.

Im Territorium Ohrdruf leben nach derzeitigen Informationen von Fachleuten drei Wölfe. In der Region Zella/Rhön gelte eine Wölfin als sesshaft. Zudem gebe es ein Wolfspaar in der Region Ilfeld im Südharz. Eine Wölfin aus Braunlage (Niedersachsen) scheine nach Thüringen zu pendeln - sie sei mehrfach genetisch nachgewiesen worden.

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt und können nur in Ausnahmefällen gejagt werden. Seit 2014 sind einzelne Tiere in Thüringen wieder heimisch.

© dpa-infocom, dpa:220527-99-447695/3

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