Ein Wegweiser zeigt die Richtungen zum Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden und zum Alten Pfarrhof.
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Herkunft von Museumssammlungen: DDR-Zeit stärker im Blick

02.01.2023

Für die Museen in Thüringen rückt bei der Erforschung der Herkunft von Sammlungen die DDR-Zeit stärker in den Blick. Das betreffe etwa die Zwangsaussiedlungen von DDR-Bürgern in den 1950er und 1960er Jahren, sagte Gert-Dieter Ulferts, Vorstandsmitglied des Thüringer Museumsverbandes, der Deutschen Presse-Agentur. Nach der Einrichtung eines Sperrgebiets entlang der Grenze zu Westdeutschland im Frühsommer 1952 waren von der DDR-Staatsführung Tausende als «politisch unzuverlässig» eingestufte Menschen zum Verlassen ihrer Häuser und Wohnorte und zum Umzug ins Hinterlang gezwungen worden.

Das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden (Kreis Weimarer Land) etwa hat beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg eine finanzielle Förderung für eine entsprechende Forschungsstelle beantragt. Es will der Frage nachgehen, ob der Besitz von Zwangsausgesiedelten möglicherweise unrechtmäßig in Museen landete. Ein Förderbescheid liegt nach Angaben von Museumsleiterin Franziska Zschäck, die auch Verbandsvizepräsidentin ist, noch nicht vor.

Beim Museumsverband gibt es seit eineinhalb Jahren eine Koordinierungsstelle, die die Museen bei der sogenannten Provenienzforschung unterstützen soll. Dabei geht es auch um unrechtmäßige Erwerbungen im Nationalsozialismus und während der Kolonialzeit. Zunächst seien 30 Häuser befragt und vereinzelt erste Checks von Sammlungen in den Depots vorgenommen worden, sagte Ulferts. Demnächst solle ein weiterer im Schlossmuseum Arnstadt folgen.

Hauptproblem bei der Herkunftsforschung ist aus Verbandssicht die meist dünne Personaldecke, vor allem in den kleineren kommunalen Museen. «Sie haben oft nur ein, zwei Angestellte, die neben Sammlungsbetreuung, Museumspädagogik und Verwaltungsarbeit nicht zur Provenienzforschung kommen», schilderte Ulferts die Situation. Wichtige Voraussetzung für eine gezielte Erforschung der Bestandsherkunft seien zudem gut geführte Museumsdepots. «Die hat aber nicht jedes kleine Museum.» Dem Museumsverband Thüringen gehören mehr als 200 Häuser an.

© dpa-infocom, dpa:230102-99-76091/2

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