Nicola Jones, Leiterin des Kinder-Medien-Festivals «Goldener Spatz».Nicola Jones, Leiterin des Kinder-Medien-Festivals «Goldener Spatz».
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Heldinnen und Träumer: Rollenbilder brechen

12.05.2022

In Kinderfilmen werden die Themen Diversität und Teilhabe immer wichtiger. Das zeigt sich auch beim diesjährigen «Goldenen Spatz». Neben Familie, Freundschaft und Schule seien Teilhabe und Diversität für Kinder wichtige Themen, die bei den Bewerbungen für die Jury des Kinder-Medien-Festivals immer wieder angesprochen würden, sagt Leiterin Nicola Jones. «Da sehe ich schon ein Denken über den eigenen Tellerrand hinaus. Denn Kinder leben in dieser Welt, sie nehmen sie bewusst wahr. Und sie sehen natürlich auch die verschiedenen Herausforderungen und Probleme, die es gesellschaftlich gibt.»

Bei den Filmen, die die 32 Kinder starke Jury während der Festivalwoche vom 29. Mai bis zum 4. Juni gemeinsam vor Ort sichten und bewerten soll, steht das Thema Diversität laut Festivalleiterin bereits mehr im Fokus. «Vielleicht noch nicht so sehr, wie man es sich idealerweise wünscht», aber es seien durchaus Anfänge einer Veränderung zu sehen, sagte Jones. Sowohl bei der Besetzung als auch bei den Geschichten, die erzählt würden. Zunehmend werde etwa mit Geschlecht und Rollenbildern gebrochen. «Typisch Mädchen, typisch Jungs, das wird aufgeweicht», sagt Jones. So würden etwa Heldinnen und Träumer porträtiert.

Wichtig sei das vor allem, weil das Thema Gender-Orientierung die jungen Leute auf Trab halte, auch von einigen Kindern in ihren Bewerbungsmappen mit angegeben worden sei. «Ich habe den Eindruck, dass Kinder damit schon viel selbstverständlicher aufwachsen als wir Erwachsene, die wir etwas festgefahren sind, vielleicht auch durch unsere Prägung. Dass sie da schon viel offener mit umgehen», sagt Jones. «Wir müssen das weiter nach vorne bringen.» Bei der Produktion von Kino- und Fernsehfilmen müssten die Themen mitgedacht werden.

Der «Goldene Spatz» versucht bereits seit einigen Jahren das Programmheften mit Gender-Sternchen zu schreiben, richtet sich etwa an «Festival-Teilnehmer*innen». «Ich glaube, wir sind nicht immer konsistent, aber wir versuchen Wert darauf zu legen.» Es sei wichtig, nicht nur zu sagen «alle sind gemeint», sondern zu versuchen, das sichtbar zu machen. «Ich denke, dass es schon einen Unterschied macht. Und dass wir als Festival da auch eine Vorreiterrolle einnehmen können.»

«Diese große Diskussion, die sich da teilweise drum entspinnt, die ist mir ein bisschen fremd», sagt Jones. «Es wird ja oft gesagt, dass es für Kinder dann schwerer lesbar sei. Ich glaube, die haben nicht so das Problem.» Vielmehr müsse die Zielgruppe ernst genommen und vor allem mehr eingebunden werden. «Kinder leben in dieser Welt. Sie machen sich berechtigte Gedanken um diese Welt und haben gute Ideen. Sie mit einzubeziehen halte ich für einen ganz wichtigen Schritt.»

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