Blick auf die Bronzeplastik vor dem Gesundheitsamt., © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
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Gesundheitsämter: Besser aufgestellt und doch überlastet

05.01.2022

Obwohl Apps zur Kontaktverfolgung über Monate hinweg als wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Corona-Pandemie galten, spielen sie für Thüringer Gesundheitsämter kaum eine Rolle. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Die Registrierung für die App haben wir frühzeitig vorgenommen, jedoch hat sich bis zum heutigen Tage die Nutzung nicht etabliert, da kein einziger Fall hierüber ermittelt wurde», sagte etwa ein Sprecher des Landkreises Schmalkalden-Meiningen mit Blick auf Luca. «Die Software hat sich für uns nicht bewährt.» Ähnliche Rückmeldungen gingen aus Weimar und Erfurt ein. Mehrere andere Landkreise haben Anfragen zur Aufstellung ihrer Gesundheitsämter nicht beantwortet.

Man habe Luca nur in einem unteren einstelligen Bereich von Corona-Fällen zur Kontaktverfolgung verwendet, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung Weimar. «Den Vertrag mit Luca hatten wir vor geraumer Zeit nicht verlängert.» Dass andere Apps regelmäßig zur Kontaktverfolgung eingesetzt würden, sei ihm nicht bekannt. Die Stadtverwaltung Erfurt hat nach Angaben einer Sprecherin überhaupt keine Anbindung von Kontaktnachverfolgungs-Apps an die Softwareschnittstellen im Gesundheitsamt. In Gera wird Luca nach Angaben der dortigen Sprecherin ebenfalls nicht benutzt.

Luca stand vor allem im Frühjahr 2021 im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Eine der Hoffnungen der Befürworter und Lobbyisten der App war, dass sich dadurch die Pandemie erheblich werde eindämmen lassen, weil sich Kontakte von Infizierten ohne großen Personalaufwand würden ermitteln lassen. Ob sich diese Hoffnungen erfüllt haben, dazu gab es bislang unterschiedliche Einschätzungen aus den verschiedenen Bundesländern. So erklärte Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) im Sommer, die App sei schnell und unkompliziert und eine große Hilfe für die Ämter. Das Brandenburger Gesundheitsministerium dagegen hatte im Herbst angesichts eines gebremsten Einsatzes der Luca-App in dortigen Kommunen zur Kontaktverfolgung von Corona-Infektionen ein vorzeitiges Ende des Vertrages mit dem Dienstleister nicht ausgeschlossen.

Für die Gesundheitsämter ist daher vor allem entscheidend, ob ausreichend Personal für die Nachverfolgung von Kontakten zur Verfügung steht. So werden in vielen Behörden inzwischen nicht nur eigene Mitarbeiter eingesetzt. In Weimar etwa, wo normalerweise 16 bis 18 Mitarbeiter beim Gesundheitsamt angesiedelt sind, sind seit Ende 2020 bis zu 50 Kräfte, größtenteils aus anderen Teilen der öffentlichen Verwaltung, im Einsatz. Zudem sind zur Kontaktnachverfolgung neben einigen externen Honorarkräften inzwischen auch fünf Bundeswehrsoldaten eingesetzt. «Die Ausstattung des Amtes hat bisher nicht den Höchststand vom letzten Jahr erreicht, wobei es immer schwieriger wird, geeignete willige und fähige Leute zu finden», sagte der Weimarer Sprecher. Man versuche dennoch «den Status quo aufrecht zu erhalten».

Ähnlich ist die Lage in Gera, wo nach Angaben einer Sprecherin der Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten Mitarbeiter auch aus anderen Teilen der Verwaltung das Gesundheitsamt ebenso unterstützt haben wie Bundeswehrsoldaten und Beschäftigte anderer Bundesbehörden. «Derzeit sind Mitarbeiter der Stadtverwaltung abgeordnet und es gab befristete Einstellungen.»

Oft arbeiten die Mitarbeiter der Gesundheitsämter den Angaben nach an der Belastungsgrenze. «Aufgrund der enormen Fallhäufung ist eine umgehende Kontaktnachverfolgung und lückenlose Fallermittlung derzeit nicht mehr zu leisten», hieß es etwa aus dem Landratsamt Schmalkalden-Meiningen. Auch könne die Erreichbarkeit des Gesundheitsamtes und die Beantwortung von Anfragen aufgrund des hohen Fallaufkommens nicht durchgängig gewährleistet werden. Insgesamt sei der Arbeitsalltag aber «gefestigter als vor einem Jahr».

Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Erfurt ist seit Beginn der Pandemie im März 2020 wieder ein eigenständiges Amt - mit eigenständiger Infrastruktur. Das hat der Sprecherin zufolge dazu beigetragen, dass die Behörde heute leistungsfähiger ist als vor einem Jahr. Dennoch seien die hohen Corona-Fallzahlen eine enorme Belastung für die Beschäftigten, die auch noch andere Pflichtaufgaben zu erfüllen haben – wie etwa die Durchführung von Einschulungsuntersuchungen von Kindern.

© dpa-infocom, dpa:220105-99-593114/3

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