Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt: FriedensappellGedenken an Opfer von Krieg und Gewalt: Friedensappell
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Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt: Friedensappell

13.11.2022

Im Zeichen des Ukraine-Kriegs ist in Thüringen zum Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert worden. Vielerorts legten Vertreter von Politik und Verbänden Blumen und Kränze an Gräbern und Denkmälern von Kriegstoten nieder. In Kirchen wurde in Gottesdiensten der Toten gedacht.

Landtagspräsidentin Birgit Pommer erklärte, die Gräber der Kriegsopfer – damals wie heute, egal in welchem Land – zeugten von Gewalt und Leid. «Wir alle sind gefordert, Frieden wiederherzustellen und zu wahren.»

Vertreter von Landtag, Landesregierung und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gedachten bei der zentralen Gedenkfeier des Freistaates Am Sonntag auf dem Nordfriedhof in Rudolstadt der Toten. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte laut Mitteilung, der Krieg in der Ukraine habe längst vergessene Ängste zurück nach Deutschland und Europa gebracht. «Ein Krieg, der tagtäglich neue Gräber schafft.» Auch wenn es zum Zeitpunkt der Kampfhandlungen schwer vorstellbar erscheine, schlage irgendwann die Stunde der Versöhnung.

Auf dem Rudolstädter Nordfriedhof sind 310 Opfer des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Diktatur bestattet. Die dort begrabenen Toten waren Zwangsarbeiter aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Slowenien, Rumänien, Polen, Ungarn und anderen Ländern. Aber auch zivile Bombenopfer und Soldaten fanden dort ihre letzte Ruhestätte. In ganz Thüringen erinnern Kriegsgräber an rund 106 000 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft des 20. Jahrhunderts.

Nach Einschätzung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind noch rund ein Drittel der Kriegsgräber im Freistaat sanierungsbedürftig. Neben dem Erhalt der rund 570 Kriegsgräberstätten in Thüringen müsse auch mehr für die pädagogische Nutzung dieser Mahnmale getan werden, sagte der Geschäftsführer des Landesverbandes, Henrik Hug, der Deutschen Presse-Agentur.

«Mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand zu den beiden Weltkriegen ist es umso wichtiger, die Gräber sprechen zu lassen», betonte Hug. Mit Infotafeln könnten die Schicksale der Opfer und auch die historischen Hintergründe zu den lokalen Ereignissen sichtbar gemacht werden. Derartige Tafeln gebe es unter anderem bereits auf den Friedhöfen in Apolda, Bad Salzungen und Erfurt.

Für die Pflege und den Erhalt der Kriegsgräber sowie die pädagogische Bildung müssten allerdings die jährlich vom Staat bereitgestellten Mittel erhöht werden, forderte Hug. Notwendig sei mindestens eine Million Euro pro Jahr. Die in Thüringen zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe von jährlich rund 600 000 Euro seien aber bereits seit Jahren nicht erhöht worden.

Weltweit kümmert sich der Volksbund im Auftrag der Bundesregierung nach eigenen Angaben auf mehr als 800 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern um die Erhaltung von mehr als zwei Millionen Gräbern beider Weltkriege.

© dpa-infocom, dpa:221113-99-500618/3

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