Tom Haufschild, Honours-Student an der Friedrich Schiller-Universität Jena, sammelt Bakterien., © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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Forschung zum Mitmachen: Uni Jena sucht Bakterienjäger

27.02.2022

Vögel oder Insekten zählen und damit der Wissenschaft helfen, das dürften viele kennen - aber Bakterien sammeln? Ein Forscherteam der Universität Jena ist derzeit auf der Suche nach Menschen, die ausgestattet mit Pipette und Probengefäßen auf Mikrobenjagd gehen wollen. «Da kann jeder mitmachen: Kinder, Eltern oder Omas», sagt Tom Haufschild, Student der Mikrobiologie an der Universität Jena, der das Projekt ins Leben gerufen hat.

Zusammen mit der Mikrobiologin Muriel van Teeseling und dem Professor für Mikrobielle Interaktionen, Christian Jogler, will er Kisten mit Experimentiermaterial verschicken. Die Forscher hoffen auf etliche Proben, vorzugsweise aus Flüssen oder Bächen von vielen verschiedenen Orten.

Finden wollen sie damit sogenannte magnetotaktische Bakterien - also Bakterien, die sich am Magnetfeld der Erde ausrichten. «Diese könnten unter anderem in der Medizin angewendet werden und sind auf Grund ihrer magnetischen Teilchen für die Nanotechnologie sehr interessant», erklärt Haufschild. Die magnetischen Teilchen könnten künftig etwa beim Transport von Medikamenten im Körper eine Rolle spielen.

Die Forschung zur Unterschiedlichkeit magnetotaktischer Bakterien steht den Wissenschaftlern zufolge noch ganz am Anfang. Ziel des Projekts sei es, die bakterielle Diversität besser zu verstehen, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo besonders viele von ihnen vorkommen - und bestenfalls sogar neue Arten zu entdecken.

Wer sich an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich per Mail an mikrobenjaeger@uni-jena.de wenden oder über die Homepage www.mikrobenjaeger.com melden. In einem ersten Schritt wollen die Forscher von den Helfern wissen, welche Orte in ihrer Umgebung für Probenentnahmen geeignet sind. Im Frühjahr soll ein Experimentierkasten verschickt werden.

«Die Menschen können dann nicht nur Proben entnehmen, sondern selbst auch einige Experimente machen. Das macht dann mehr Spaß und hilft auch uns weiter», sagt Haufschild. So könnten die Menschen vor Ort etwa den PH-Wert des Wassers messen. Auch sei es möglich, einen Magneten neben die Probe zu stellen. «Wenn man das über Nacht macht und besonders viele magnetotaktische Bakterien in der Probe sind, kann man die sogar mit bloßem Auge sehen», sagt van Teeseling.

Mit dem Einsenden der Probe soll es nicht vorbei sein: Die Forscher wollen die Menschen bei den weiteren Schritten mitnehmen, etwa mit Videoblogs oder virtuellen Fragerunden. «Uns ist es wichtig, dass die Leute auch einen Einblick erhalten, wie die wissenschaftliche Forschung abläuft», erklärt Haufschild. Die 10.000 Euro Förderung für das Projekt haben die Wissenschaftler beim Hochschulwettbewerb der Initiative «Wissenschaft im Dialog» gewonnen.

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