Ein Mann hält einen Joint in der Hand., © Fabian Sommer/dpa/Illustration
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Fachleute dringen auf mehr Präventionsangebote

21.02.2024

Ärzte und Suchtexperten in Thüringen fordern angesichts der geplanten kontrollierten Freigabe von Cannabis mehr Angebote, um Kinder und Jugendliche über die gesundheitlichen Risiken des Drogenkonsums aufzuklären. Das Festhalten der Bundesregierung an den Freigabeplänen trotz Vorbehalten und gut begründeter Bedenken von Politikern und Wissenschaftlern sei «geradezu deprimierend», erklärte der Präsident der Landesärztekammer, der Erfurter Kinderarzt Hans-Jörg Bittrich, am Mittwoch. Aus seiner Sicht wird eine Droge verharmlost, «die nachgewiesenermaßen abhängig macht». Bittrich rechnet bei einer kontrollierten Freigabe mit einer verstärkten Inanspruchnahme medizinischer Hilfe.

Umso wichtiger seien Präventions- und Frühinterventionsprogramme für Kinder und Jugendliche. Auch die Fachstelle Suchtprävention in Thüringen forderte begleitende finanziell gut ausgestattete Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche. «Man muss auf vielen Ebenen dagegen kämpfen, dass es aus dem Rahmen gerät», sagte die Psychologin und Fachreferentin bei der Fachstelle, Tina Wohlfarth.

Kinder und Jugendliche kämen aber auch jetzt schon an die Drogen heran. Teils seien diese verunreinigt - mit einer Regulierung sei nun auch die Hoffnung verbunden, dass dieses Problem abnehme, sagte Wohlfarth. Sie persönlich glaube, dass der Versuch richtig sei. «Das, was bisher getan wurde, hat ja offenbar nicht so gut funktioniert.»

Wohlfarth sagte: «Aus meiner Sicht darf man das nicht nur medizinisch betrachten, weil Menschen nicht immer schlaue Entscheidungen treffen.» Viele essen auch Zucker, rauchen oder trinken, obwohl sie wissen, dass das schädlich ist.» Daher gebe es schon die Hoffnung, dass mit einer Regulation auch die Konsumkompetenz der Menschen gefördert werde. «Das kann dem ein oder anderen helfen, keine blöden Entscheidungen zu treffen.»

Gesetzespläne im Bundestag

Der Gesundheitsausschuss des Bundestags hat am Mittwoch die Gesetzespläne der Ampel-Koalition zur Cannabisfreigabe mit mehreren Änderungen gebilligt. Der Bundestag soll sie voraussichtlich an diesem Freitag beschließen. Eigenanbau und Besitz bestimmter Mengen soll für Volljährige ab 1. April zum Eigenkonsum erlaubt werden. Vorgesehen sind zahlreiche Regeln und Vorgaben. Begleitend lässt das Verkehrsministerium von einer Expertengruppe ermitteln, wie ein gesetzlicher Grenzwert für den berauschenden Wirkstoff THC gefasst werden könnte. Ergebnisse dazu sollen im Frühjahr vorliegen.

TÜV Thüringen äußert Bedenken

Die Verkehrspsychologin Marie-Christin Perlich vom Institut für Verkehrssicherheit des TÜV Thüringen forderte am Mittwoch, der Cannabis-Grenzwert müsse so gestaltet sein, dass jede ernst zu nehmende Gefährdung ausgeschlossen werde. Derzeit liege der gesetzlich festgelegte Grenzwert bei einem Nanogramm pro Milliliter THC im Blut.

© dpa-infocom, dpa:240221-99-69495/3

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