Gerry Woop wird der neue Leiter der Ständigen Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund., © Christophe Gateau/dpa
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Ex-Staatssekretär wird Leiter der Thüringer Landesvertretung

26.03.2024

Die Landesvertretung des Freistaats beim Bund in Berlin bekommt einen neuen Leiter. Der ehemalige Europa-Staatssekretär der Berliner Senatsverwaltung, Gerry Woop, werde die Landesvertretung in Zukunft führen, sagte Thüringens Kulturstaatssekretärin Tina Beer am Dienstag in Erfurt nach einer Kabinettssitzung. Der 55-Jährige habe sich im Zuge einer Bestenauslese gegen andere Bewerber durchgesetzt. Für die Stelle habe es ein reguläres Auswahlverfahren gegeben. Dass erneut kein Thüringer bei der Vergabe eines Spitzenjobs in der Landesverwaltung zum Zug komme, sei für die Landesregierung nicht entscheidend. «Er muss kompetent sein», sagte Beer. Ihren Angaben zufolge soll Woop nicht verbeamtet, sondern in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis eingestellt werden. Zunächst hatten die Funke-Zeitungen über die Personalie berichtet.

Woop, der Mitglied der Linken ist, war von 2017 bis 2023 Staatssekretär in Berlin. Von 1986 bis 1990 hatte er nach früheren Angaben an einer Offiziershochschule der NVA studiert und dort als Diplompolitikwissenschaftler abgeschlossen. Später arbeitete er unter anderem als Leiter des Referats Bundesratskoordinierung der brandenburgischen Landesvertretung beim Bund.

Nach Angaben einer Regierungssprecherin soll Woop seinen neuen Job schnellstmöglich antreten. Die entsprechende Stelle sei zuletzt kommissarisch besetzt gewesen, hieß es.

Vertreter der Opposition im Landtag kritisierten die Personalie. Erneut werde ein «linker Parteikader aus Berlin versorgt», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Andreas Bühl. «Es scheint zur Einstellungsvoraussetzung bei Rot-Rot-Grün zu werden, dass Kabinettsmitglieder und Spitzenpersonal keinerlei Verwurzelung in Thüringen haben.»

Der FDP-Gruppensprecher im Landtag, Thomas Kemmerich, formuliert seine Kritik ähnlich. Mit Woop werde ein Parteisoldat der Linken mit einem Spitzenjob versorgt, sagte er. «Offenbar gilt die Devise: Nach uns die Sintflut.»

Die Landesregierung muss sich seit Monaten gegen Vorwürfe von Landesrechnungshof und Opposition wehren, bei der Besetzung von Spitzenjobs in der Landesverwaltung gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. Vor allem CDU und FDP werfen der Regierung vor, mehr auf das Parteibuch als auf die Qualifikation geachtet zu haben. Vertreter der Landesregierung haben die Kritik wiederholt als unbegründet und parteipolitisch motiviert zurückgewiesen.

© dpa-infocom, dpa:240326-99-472475/3

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