Ein Stacheldrahtzaun umzäunt das Gelände einer Justizvollzugsanstalt., © Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild
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Es gibt immer Versuche, Drogen ins Gefängnis zu schmuggeln

11.10.2023

Drogen sind aus Sicht der Thüringer Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten keine Seltenheit im Gefängnis. «An und für sich ist das Problem immer da: Wir müssen immer davon ausgehen, dass in irgendeiner Form versucht wird, Drogen ins Gefängnis zu bekommen», sagte Ronny Rüdiger, der Vorsitzende des Thüringer Landesverbands des Bunds der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD Thüringen). «Das Problem ist, dass wir in manchen Fällen erst etwas davon mitbekommen, wenn etwas passiert.»

Rüdiger bezog sich damit auch auf zwei Todesfälle von Häftlingen im Gefängnis Tonna (Landkreis Gotha) in diesem Jahr, bei denen Drogenkonsum eine Rolle gespielt haben könnte. Zumindest im Falle, eines 24-Jährigen, der im Februar tot in seiner Zelle aufgefunden worden war, stellte ein Gutachten eine potenziell tödliche Dosis des Opioids Fentanyl fest, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt sagte. Das toxikologische Gutachten im zweiten Fall stehe noch aus.

«Mein Eindruck ist, dass es seit diesen zwei Vorfällen in Tonna ruhiger geworden ist - die Vorfälle haben die Gefangenen ein stückweit sensibilisiert für die Gefahren des Drogenkonsums. Das haben sie jetzt im Hinterkopf.»

Auch Gefahr für Strafvollzugsbeamte

Dabei sei der Drogenkonsum nicht nur für die Gefangenen selbst eine Gefahr: «Wenn wir einen Haftraum öffnen, in dem jemand gerade völlig durchdreht, dessen Hemmungen sinken und wir nicht wissen, was los ist, dann ist das auch für die Mitarbeiter gefährlich.»

Drogen-Scanner sollen kommen

Rüdiger begrüßte auch daher die Ankündigung des Justizministeriums, dass im kommenden Jahr zwei Spezialgeräte gegen den Drogenschmuggel ins Gefängnis in Thüringen zum Einsatz kommen sollen. Mit diesen Scannern können auch Drogen erkannt werden, die als Flüssigkeit auf Briefsendungen an Gefangene geträufelt werden, aber mit herkömmlichen Methoden sonst nicht zu erkennen sind. «Auch Drogenhunde können diese Substanzen nicht aufspüren, deshalb sind die Scanner so wichtig», betonte Rüdiger.

Kritik an Justizministerin

Dennoch übt er Kritik an der aktuellen Justizministerin Doreen Denstädt (Grüne). «Wir versuchen seit Monaten ein Gespräch mit der Ministerin zu bekommen, aber sie hat es bislang nicht geschafft, Zeit für uns zu finden», monierte Rüdiger. Gerade zur Drogenproblematik, aber auch zur Personalgewinnung und zum hohen Krankenstand der Mitarbeitenden im Justizvollzug seien Gespräche nötig.

Der BSBD Thüringen hat Rüdiger zufolge etwa 400 Mitglieder. Rund 1000 Bedienstete arbeiten im Strafvollzug in den fünf Thüringer Gefängnissen in Arnstadt, Suhl-Goldlauter, Hohenleuben, Tonna und Untermaßfeld.

© dpa-infocom, dpa:231011-99-520570/3

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