Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.
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Empörung über Zerstörung von Erinnerungsbäumen für KZ-Opfer

21.07.2022

Als «hasserfüllte und kalkulierte Machtdemonstration von Neonazis» hat das Internationale Auschwitz Komitee die Zerstörung von sieben Erinnerungsbäumen für Opfer des NS-Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar gewertet. Mit Empörung reagierten am Donnerstag auch die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora sowie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Wer für die Tat verantwortlich ist, ist bisher unklar. Die Bäume, die abgesägt wurden, waren den getöteten Kindern von Buchenwald sowie sechs namentlich genannten Häftlingen gewidmet, hatte die KZ-Gedenkstätte am Mittwoch mitgeteilt. Bereits in der Vergangenheit habe es in der Gedenkstätte Beschädigungen von Gedenktafeln und Hinweisschildern oder Hakenkreuz-Schmierereien gegeben, sagte ein Sprecher. Es sei auch im jüngsten Fall Anzeige erstattet worden.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, erklärte, Überlebende der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager würden die Tat «als direkten Angriff gegen alle in den Lagern ermordeten Menschen und als Angriff gegen die deutsche Erinnerungskultur» empfinden. Die Lagergemeinschaft Buchenwald sprach von einer Schändung und von politischem Vandalismus. «Solche Attacken sind auch ein Resultat der erinnerungspolitischen Wende, zu der Rechtsextreme in der AfD immer wieder aufrufen», erklärte Heubner.

Nach Angaben der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora sollten die Bäume an die deutschen Kommunisten Emil Carlebach, Otto Kipp, Erich Loch, Reinhold Lochmann und August Stötzel, den französischen Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer Marcel Dassault sowie an die 1600 Kinder und Jugendlichen erinnern, die ihre Haft und das Konzentrationslager Buchenwald nicht überlebten.

Die Lagergemeinschaf erwartet nun Initiativen in der Region, um die Erinnerungszeichen wieder zu setzen. Thüringens Ministerpräsident Ramelow kündigte im Kurznachrichtendienst Twitter an, er werde sich an der Neupflanzung von Bäumen beteiligen. Ramelow schrieb: «Wenn Bäume abgesägt werden, weil man die Erinnerung an die Gräueltaten auslöschen will, dann begeht man die Tat erneut.» Das sage viel über die Haltung der Täter. Hass und Hetze würden Herzen zerstören.

Die abgesägten Gedenkbäume standen laut Gedenkstätte nahe der Trasse der ehemaligen Buchenwaldbahn, mit der Menschen aus ganz Europa von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager gebracht worden waren. Sie liegt etwas außerhalb des eigentlichen Gedenkstättenareals. Es sei nicht die erste Zerstörung von Bäumen an dieser Stelle gewesen, so ein Sprecher. Bereits vor einigen Jahren mussten Pflanzungen ersetzt werden.

In das Konzentrationslager Buchenwald hatten die Nazis 280.000 Menschen verschleppt. Etwa 56.000 von ihnen wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten und medizinischen Experimenten. Am 11. April 1945 befreiten US-Truppen das Lager. Tausende Häftlinge waren zuvor noch auf sogenannten Todesmärschen ums Leben gekommen.

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