Einsatzkräfte der Feuerwehr in Schutzkleidung.Einsatzkräfte der Feuerwehr in Schutzkleidung.
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Einsatz minderjähriger Feuerwehrleute: Kontroverse Debatte

10.03.2022

Um junge Menschen langfristig an die Feuerwehren zu binden, hat sich der Gemeinde- und Städtebund Thüringen dafür ausgesprochen, auch Minderjährige zu bestimmten Einsätzen mitzunehmen. Junge Feuerwehrleute müssten Schritt für Schritt ins Einsatzgeschehen eingebunden werden, sagte ein Vertreter des Gemeinde- und Städtebundes am Donnerstag in Erfurt während einer Anhörung im Innenausschuss des Landtages. Es sei völlig lebensfremd davon auszugehen, dass Feuerwehrleute ab einem Alter von 18 Jahren plötzlich fit für Einsätze seien, aber im Alter von 17 Jahren lasse man sie nicht einmal «in die Nähe einer technischen Hilfeleistung».

Eine solche schrittweise Heranführung an Feuerwehreinsätze werde auch dafür sorgen, dass junge Menschen langfristig für den Dienst als Feuerwehrmann oder -frau zur Verfügung stünden, argumentierte der Vertreter. Gerade im Alter zwischen 16 und 18 Jahre hätten viele junge Feuerwehrleute den Wunsch, das, was sie gelernt und trainiert haben, auch in der Praxis anzuwenden. Wenn man ihnen in diesem Alter die Teilnahme an Einsätzen gänzlich verweigere, demotiviere man sie, so dass sie möglicherweise den Feuerwehren den Rücken kehrten. Klar sei allerdings auch, dass Minderjährige nicht an besonders gefährlichen Einsätzen teilnehmen dürften.

Anders als von den Kommunen kommt vom Thüringer Feuerwehrverband allerdings keinerlei Unterstützung für Überlegungen, schon Minderjährige an Einsätzen zu beteiligen. «Wir halten es aus Gründen der besonderen Fürsorgepflicht gegenüber Jugendlichen für keinesfalls vertretbar, dass Minderjährige an Feuerwehreinsätzen teilnehmen», heißt es in der schriftlichen Stellungnahme des Verbandes.

Dagegen sprächen zahlreiche Gründe. Unter anderem drohe die Verantwortung darüber zu entscheiden, ob ein Minderjähriger reif genug für einen Einsatz sei, auf die Einsatzleiter der Feuerwehren «abgewälzt» zu werden. Diese müssten dann zum Beispiel prognostizieren, ob einem Jugendlichen vielleicht später einmal ein Trauma drohe, weil er an einem Einsatz teilgenommen habe, der dann doch belastender gewesen sei, als das zunächst erwartbar war. «Dies ist praktisch nicht zu leisten», heißt es in der Stellungnahme.

Die Anhörung ging auf einen Antrag der CDU-Landtagsfraktion zurück. Darin schlägt die Union zahlreiche Einzelmaßnahmen vor, die helfen sollen, den in der Regel ehrenamtlichen Dienst in den Thüringer Feuerwehren attraktiver zu machen. Unter anderem plädiert die CDU dafür, «die Feuerwehrschule besser zu machen» und für Feuerwehrleute den Erwerb eines Lkw-Führerscheins stärker zu fördern. In dem Antrag wirbt die Fraktion auch dafür, «Möglichkeiten und Anreize zur Beteiligung von jungen Kameradinnen und Kameraden zwischen dem vollendeten 16. und 18. Lebensjahr im aktiven Feuerwehrdienst zu schaffen».

© dpa-infocom, dpa:220310-99-462522/3

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