An dem 1300 Hektar großen Chemiestandort sind laut Infraleuna Öl und Gas die Energie- und Rohstoffbasis., © Jan Woitas/dpa/Archivbild
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Chemieparks brauchen schnelle Hilfe bei Energiekosten

31.07.2022

Der Verband der Chemischen Industrie in Ostdeutschland (VCI/Landesverband Nordost) hat angesichts der Energie-Krise rasche Hilfen für die Branche vom Bund gefordert. Ansonsten hätte dies fatale Folgen, insbesondere für die Chemieparks, sagte der energiepolitische Sprecher des Landesverbandes Nordost im VCI, Christof Günther. In diesen Industriegebieten sei der Großteil der Firmen der Chemie angesiedelt in Deutschland. Es gehe um die Aufrechterhaltung von komplexen Produktionsketten und die Wettbewerbsfähigkeit systemrelevanter Industriestandorte, sagte er.

Konkret sieht der Verband eine gravierende Lücke im Energiekostendämpfungsprogramm des Bundes. Darin würden die Kosten der Unternehmen zwar für Strom und Erdgas berücksichtigt, für Dampf als großem Kostenfaktor in der Regel aber nicht. «Und darin liegt das eigentliche Problem», sagte Günther. Denn in einem Chemiepark ansässige Unternehmen werden meist von Betreibergesellschaften mit erdgas- und stromintensiven Medien wie Prozessdampf, Druckluft und Rückkühlwasser für die Produktion versorgt. Diese Kosten würden in dem Entlastungsprogramm des Bundes bei den Energiebeschaffungskosten aber nicht berücksichtigt, sagte Günther.

Das Problem sei zudem kein Randproblem der Chemieparks, sondern betreffe die chemische Industrie ganz zentral. Den Angaben zufolge sind etwa 40 der größten Chemiestandorte in Deutschland Chemieparks. «Etwa 60 Prozent der Belegschaft der chemischen Industrie ist in Unternehmen tätig, die in Chemieparks ansässig sind», sagte er.

«Es ist also die Mehrheit der Arbeitsplätze in der Chemie betroffen, weil das Chemieparkkonzept auch flächendeckend in Deutschland eine wichtige Rolle spielt», sagte Günther. Er ist Geschäftsführer der Infraleuna GmbH, der Infrastrukturgesellschaft des Chemiestandorts Leuna. Dort sind 100 Firmen mit 12.000 Beschäftigten angesiedelt.

Günther erklärte zudem, dass sich das Verhältnis der Dampfkosten an den Produktionswerten von Unternehmen zu Unternehmen unterscheidet. Es sei aber so, dass bei der Mehrzahl der Firmen in der chemischen Industrie in der Regel die Dampfkosten höher seien als die Stromkosten. «Weil, gerade in der Basischemie haben wir sehr viele Destillationsprozesse, wo große Wärmemengen benötigt werden und diese Wärme wird über Dampf bereitgestellt», erklärte der Verbandssprecher.

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