Carlfriedrich Claus und die Fotografie: Ausstellung
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Carlfriedrich Claus und die Fotografie: Ausstellung

08.06.2023

25 Jahre nach dem Tod des Avantgarde-Künstlers Carlfriedrich Claus (1930-1998) widmen die Kunstsammlungen Chemnitz seinem fotografischen Werk eine Sonderschau. Die Ausstellung «Zwischen Weiß und Schwarz. Carlfriedrich Claus und die Fotografie» wird am Samstagabend (10. Juni) eröffnet und ist bis 10. September zu sehen.

Claus, Lautdichter und Mitbegründer der visuellen Poesie, hat Anfang der 1950er Jahre mit der Fotografie experimentiert. Dabei versuchte er durch Lichtsetzung und Positionierung von Objekten Verfremdungseffekte zu erzielen.

Für die Serie «Elementare Experimente mit Photo-Natur» zum Beispiel drehte Claus 20 Landschaftsaufnahmen um 90 oder 180 Grad. Die gegenständlichen Szenen würden so zu abstrakten Fotografien, ohne die Gegenständlichkeit aufzugeben, erläuterte Kurator Philipp Freytag am Donnerstag.

Der Künstler ist auch von anderen fotografiert worden. Einige dieser Fotos sind ebensfalls zu sehen - etwa Claus im Dialog mit Intellektuellen wie Heiner Müller, als Denker und Zeichner, in seiner Wohnung in Annaberg-Buchholz.

Parallel zu der Studioausstellung öffnet das sonst nur nach Anmeldung und für Studienzwecke zugängliche Carlfriedrich Claus Archiv seine Türen. In Vitrinen werden etliche Stücke aus dem Fundus zu Claus' Leben und Wirken ausgebreitet: Bilder aus seiner Kindheit, Briefe an andere Künstler und Galeristen sowie Skizzen und Collagen.

Claus wuchs in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge auf und absolvierte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Doch schon in frühen Jahren beschäftigte er sich mit Kunst und Sprachen. Später wurde er immer mehr selbst künstlerisch aktiv, baute sich Kontakte zu internationalen Künstlern auf und wurde zu einem Pionier der visuellen und akustischen Poesie. Von der offiziellen DDR-Kunstszene wenig beachtet, fand sein Werk international Anklang - etwa in Ausstellungen in Baden-Baden, Paris und Den Haag. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt.

Sein Nachlass - etwa 850 Druckgrafiken, knapp 300 Tonbänder und Kassetten, mehr als 22 000 Briefe sowie seine Bibliothek - pflegen die Kunstsammlungen Chemnitz im nach ihm benannten Archiv.

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© dpa-infocom, dpa:230608-99-986191/2

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