Besessen vom «Arbeitsteufel»: Meiningen feiert Reger
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Besessen vom «Arbeitsteufel»: Meiningen feiert Reger

16.03.2023

Drei Tage lang fokussiert sich Meiningen auf einen ihrer berühmten Bürger: Vom 17. bis 19. März steht der Komponist und Meininger Hofkapellmeister Max Reger im Mittelpunkt des kulturellen Geschehens. Bei 15 Konzerten und Veranstaltungen können Besucher dessen Leben und Schaffen kennenlernen, wie die Stadt mitteilte.

«Das ganze Leben Regers ist ein sehr konzentriertes - er hat mehr geschrieben als andere in der doppelten Lebenszeit», sagte Philipp Adlung, Direktor Meininger Museen, zu denen auch das Max-Reger-Archiv mit Präsentation des Nachlasses des Musikers gehört. Regers Werke seien aber nicht nur der Menge, sondern auch der Qualität wegen überragend, so Adlung. «Er hat die Meininger Hofkapelle wieder auf ein internationales Niveau gehoben und für eine letzte große Blüte des Meininger Musenhofes gesorgt.»

Der 1873 in der Oberpfalz geborene Reger kam nach Stationen etwa in Wiesbaden und München 1907 ans Königliche Conservatorium zu Leipzig, 1911 erreichte ihn die Berufung zum Hofkapellmeister bei Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen. Der wegen seiner entsprechenden Leidenschaft als «Theaterherzog» bekannte Regent fand Gefallen an Reger. Die beiden schrieben sich viel.

«Das ist wirklich faszinierend, wenn man sich den Briefwechsel anguckt», sagte Adlung. So bitte Reger in einem Schreiben darum, dass die Konzerte in Hildburghausen zeitlich vorverlegt werden sollten, damit Besucher aus entfernteren Orten noch den Zug für die Anreise bekommen können. Er sei also doch nicht nur verkopftes Genie gewesen, sondern habe sich auch über Alltägliches Gedanken gemacht. In einem anderen Brief berichte er dem Herzog von einer Stalkerin. «Die Frau hat ihn offenbar sehr verehrt und ihn in Leipzig derart verfolgt und belästigt, dass er die Polizei rufen musste», so Adlung.

In seiner Meininger Zeit entstanden 20 Werke, er gab Konzerte als Solist, dirigierte die Hofkapelle und unterrichtete parallel weiter in Leipzig. Selbst der Herzog ermahnte ihn, besser auf sich acht zu geben - erfolglos. 1914 brach Reger nach einem Konzert zusammen, quittierte später den Dienst an der Hofkapelle und starb 1916 mit 43 Jahren in Leipzig. Zuvor hatte Reger 1913 in einem Brief an den Herzog geschrieben: «Ich will ja brav u. folgsam sein; wer aber soll mir den Arbeitsteufel austreiben?»

Heute gilt der Musiker als wichtiger Komponist an der Schwelle zur Moderne und schon seine Zeitgenossen feierten ihn. Aber auch Reger habe zwei Seiten gehabt, betonte Adlung. «So eine Arbeitswut kommt nicht von ungefähr und es gab nicht nur Leute, die gerne mit ihm zusammengearbeitet haben.» Auch an Selbstbewusstsein habe es ihm nicht gemangelt. So habe er ein Violinkonzert von sich als das drittgrößte neben denen von Beethoven und Brahms betitelt.

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