Ein Mitarbeiter eines Autozulieferers kontrolliert die Produktion der Zylinderkopfdichtungen., © Sina Schuldt/dpa
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Autoindustrie im Strukturwandel: Weniger Investitionen

06.07.2023

Gestiegene Kosten, fehlende Fachleute und Unsicherheiten bei der Marktentwicklung sorgen für eine Investitionszurückhaltung in der Thüringer Automobilindustrie. 61 Prozent der Firmen hätten ihre Pläne für Neubau, Erweiterung oder Modernisierung verschoben, gekürzt oder sogar gestrichen, sagte der Geschäftsführer des Netzwerks automotive thüringen, Rico Chmelik, am Donnerstag am Rand des Branchentags in Ichtershausen bei Arnstadt. «Die Investitionsneigung ist derzeit eher bescheiden.»

15 Prozent der Firmen würden zudem eine Investition im Ausland erwägen, habe eine Umfrage unter den 190 Mitgliedern des Netzwerks ergeben. 63 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten den Standort Deutschland vor allem unter Kostenaspekten derzeit als nicht wettbewerbsfähig. «Viele Firmen fragen, sich, ob und wann sich Investitionen unter den derzeitigen Bedingungen amortisieren», so Chmelik.

Derzeit stecke die Automobilindustrie, ein Umsatzschwergewicht der Thüringer Wirtschaft, mitten im Strukturwandel. «Dabei gibt es Gewinner und Verlierer.» Noch sei der Anteil der Firmen, die Teile für Verbrennungsmotoren lieferten, relativ hoch. «Aber inzwischen haben auch etwa 80 Prozent aller Zulieferer Teile und Komponenten für E-Fahrzeuge im Programm.»

Thüringen setze sich dafür ein, Belastungen der Unternehmen durch Fachkräftemangel und Energiepreise abzufedern, erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Das Land sei dabei auch auf Förderprogramme des Bundes angewiesen. Thüringen engagiere sich beispielsweise für einen bundesweit subventionierten Industriestrompreis, der auch energieintensive Mittelständler einbeziehe.

Das Land investiere in neue Energie- und Speichertechnologien, in Aus- und Weiterbildung und habe eigene Initiativen für mehr Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland gestartet.

Nach der Umfrage erwarten 70 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr eine stabile oder steigende Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung. Als Hauptproblem nannten 82 Prozent der Unternehmen einen Mangel an Personal. Erst danach wurden hohe Energie- und Materialpreise sowie aufwendige Genehmigungsverfahren und Bürokratie als Probleme genannt.

Nach Angaben des Branchennetzwerks gehören zur Thüringer Automobilindustrie rund 600 Unternehmen mit etwa 66.000 Beschäftigten. Darunter sind Automobilhersteller wie Opel, vor allem aber Firmen, die ganz oder teilweise als Zulieferer agierten. Den Jahresumsatz 2022 bezifferte Chmelik auf mehr als sieben Milliarden Euro.

Nach Einschätzung der Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, ist die ostdeutsche Automobilindustrie beim Trend zur Elektromobilität strukturell gut aufgestellt. Über die Hälfte der E-Autos werde in Ostdeutschland produziert, hatte Müller kürzlich gesagt.

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