Alessa Kordeck als Peter Fitzek hält im Stück «König von Deutschland» die Reichskrone., © Heiko Rebsch/dpa
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Theater in Halle bringt «Reichsbürger» auf die Bühne

24.03.2023

In der Volksbühne am Kaulenberg in Halle können Besucherinnen und Besucher in einem interaktiven Theaterstück in die Welt der sogenannten Reichsbürger eintauchen. «Wir verwenden zum Beispiel originale Videos, Nachrichten und Unterlagen», sagte Regisseur Fabian Rosonsky der Deutschen Presse-Agentur. Die zusammengetragenen Informationen sollen für sich sprechen, so der gebürtige Wittenberger, Jahrgang 1989, der unter anderem Politikwissenschaft studierte. Expertinnen und Experten werfen in Interviews zudem einen Blick von Außen auf die Szene. Die Premiere des Stücks ist für den 25. März geplant.

«Reichsbürger» erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. So gründete der in Halle geborene Peter Fitzek 2012 in Lutherstadt Wittenberg das «Königreich Deutschland». In eigenen Verwaltungsstrukturen stellen die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter darin unter anderem «Reichsführerscheine», «Reichsgewerbescheine» und «Reichspässe» aus, um sich so den Strukturen der Bundesrepublik zu entziehen.

Zur öffentlichen Probe von «König von Deutschland» am Donnerstagabend war Fitzek, der sich als Oberhaupt des von ihm gegründeten Staates versteht, persönlich erschienen. Er musste die Veranstaltung jedoch kurz darauf wieder verlassen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz rechnet der gesamten Szene rund 23 000 Anhängerinnen und Anhänger zu - Tendenz steigend. Unter ihnen befinden sich der Einschätzung zufolge auch gewaltbereite sowie rechtsextreme Personen. Einige Anhängerinnen und Anhänger der Szene sind im Besitz von Waffen.

Anfang Dezember vergangenen Jahres hatte es deutschlandweit eine Groß-Razzia im «Reichsbürger»-Milieu gegeben. 25 Hauptbeschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft. Am frühen Mittwochmorgen dieser Woche gab es weitere Durchsuchungen im Zusammenhang mit der Groß-Razzia - in acht Bundesländern und der Schweiz. Ein Beamter eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurde dabei in Reutlingen angeschossen und am Arm verletzt. Der Schütze wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts des mehrfachen versuchten Mordes.

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