Thüringen Weiter Streit um Corona-Tests

Symbolfoto: dpa
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Autor: CL | Datum: 15.10.2021
Während die Rufe nach einer Corona-Testpflicht an Schulen immer lauter werden, kommt ein neues Gutachten zu dem Schluss, dass anlasslose Corona-Tests an Schulen nicht nötig sind. Kinder und Jugendliche tragen demnach zum Pandemiegeschehen bei - wie auch ungeimpfte Erwachsene, stellt der wissenschaftliche Beirat der Landesregierung in dem Gutachten fest. Im Gegensatz zu Erwachsenen erkrankten Kinder und Jugendliche aber sehr selten schwer. Auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis passt laut den Experten nicht. Der Nutzen der Tests würde in der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen.

Bei immer mehr Städten und Landkreisen stößt das auf wenig Zuspruch. Die Stadtverwaltung Weimar sieht den Schwerpunkt des Infektionsgeschehens in den vergangenen Tagen vor allem in den Schulen und Kindergärten sowie in den Familien der betroffenen Kinder. Darum fordert Oberbürgermeister Peter Kleine eine Testpflicht in Schulen und Kindergärten.

Jenas Stadtspitze äußerte ebenfalls Unverständnis über den Weg durch die Pandemie im Bildungssektor. "Möglichst wenig Infektionen - dafür haben wir sehr stringente und immer wieder auch präventive Maßnahmen ergriffen", erklärte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche. Diese Pandemiestrategie wolle man fortführen. Der Landrat des Landkreises Gotha, Onno Eckert, reagierte verärgert: "Aus politischem Dogmatismus setzt das Bildungsministerium die Gesundheit einer ganzen Region aufs Spiel."

Auch in der rot-rot-grünen Landesregierung sorgt die Diskussionen um Tests für dicke Luft. SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung kritisierte das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats scharf: "Ich finde es eine Frechheit, dass darin der Eindruck erweckt wird, Kinder könnten nicht schwer erkranken", sagte der Mediziner. Rund ein Prozent der Intensivpatienten seien unter 20-Jährige. "Das ist ja nicht nichts", sagte Hartung. Zudem könne man inzwischen belegen, dass Kinder Infektionen mit in ihre Familien tragen.