Thüringen Unternehmen verzweifeln an Corona-Regeln

Symbolfoto: Pixabay
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Autor: LG | Datum: 29.11.2021
2G im Geschäft und im Restaurant - Ungeimpfte Mitarbeiter müssen sich regelmäßig testen - die neuen Corona-Regeln der Landesregierung machen die Arbeit auch für Unternehmen nicht leichter... Wir haben uns umgehört - wie ist die Stimmung, Sabine Lindner von der Industrie- und Handelskammer Erfurt?

"Teilweise ganz schön angespannt - das Telefon steht kaum noch still, viele Unternehmer sind unsicher - wissen nicht, welche Regeln aktuell gelten oder wie sie umgesetzt werden sollen." Ein großes Problem für die Unternehmen - die Testpflicht von Mitarbeitern - und vor allem erstmal an die Tests ranzukommen, sagt Lindner: "Wir haben von Unternehmen gehört, die frühestens Ende des Jahres Tests geliefert bekommen - was sollen die bis dahin machen? Nicht testen und gegen die Regeln verstoßen oder nicht arbeiten und Pleite gehen?!" 

Damit sich Mitarbeiter auch vor der Arbeit schon testen lassen können, fangen die Teststellen im Kreis Nordhausen jetzt schon früher an - in der Zorgestraße und Wiedigsburghalle in Nordhausen und dem Kulturhaus in Bleicherode wird ab 6 Uhr morgens getestet. In Ellrich ab 7 Uhr 30. Zusätzlich solls bald auch noch ein Testzentrum in Heringen geben.
Und damit auch dem Kreis die Schnelltests nicht ausgehen, hat Landrat Matthias Jendricke die Katastrophenschutzbehörde beauftragt, Schnelltests zu besorgen.

Eine Übersicht über die Teststellen in Ihrer Nähe finden Sie hier

Und die eigentliche Arbeit bleibt bei der Bürokratie und Kontrolle oft liegen. "Der Gastronom will seine Gäste bedienen, der Einzelhändler Kunden beraten - bei all den Kontrollen und der Bürokratie fehlt völlig die Zeit für die eigentliche Arbeit." 

Bei den Handwerkern ist die Stimmung massiv im Keller, hat uns André Kühne von der Handwerkskammer Ostthüringen gesagt. Es sei 5 nach 12... Viele Unternehmer wissen nicht mehr weiter. Sie haben wohl zum Beispiel massive Probleme die Mitarbeiter zu testen - viele Ungeimpfte wollen einfach nicht, sagt Kühne und fordern stattdessen, dass sich doch auch die Geimpften testen lassen sollten, die könnten schließlich auch Corona übertragen. Das führt zu einer extremen Spaltung in den Unternehmen. Und wirkliche Strafen für die ungeimpften, die sich nicht testen lassen wollen, können sich die Unternehmen nicht leisten, betont Kühne - die Auftragsbücher sind übervoll, wir wissen alle wie lange man zur Zeit auf einen Handwerker warten muss, da kann auf keinen Mitarbeiter verzichtet werden.

Ähnliche Erfahrungen hat auch die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen gemacht - bei den Unternehmen herrscht große Unsicherheit über die aktuellen Regeln - natürlich wollen sie zum Infektionsschutz beitragen, sagt uns Evelin Barth - zwei von drei Unternehmen haben aber zum Beispiel große Probleme überhaupt Schnelltests zu bekommen. Und wenn es denn noch welche gibt, sind die Lieferzeiten oft sehr lang und die Preise deutlich gestiegen. Betroffen sind dabei wirklich alle Branchen, sagt Barth - vom Logistiker über den Maschinenbauer bis zum Händler. Das Telefon der Kammer steht kaum noch still.

Die Wirtschaft hat schon viel zum Infektionsschutz beigetragen, sagt zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer Südthüringen - die 3G-Pflicht macht es für viele nicht leichter - im Gegenteil, durch die Kontrollen und Bürokratie haben viele deutlich mehr zu tun und kommen kaum zu ihrer eigentlichen Arbeit. Die Mitarbeiter reagieren dabei ganz unterschiedlich - das reicht von Akzeptanz dafür, dass sie nachweisen müssen ob sie gegen Corona geimpft, genesen oder negativ getestet sind, über immer mehr und längere Krankschreibungen bis hin zu ersten Kündigungen, sagt die IHK. Und das belastet die sowieso schon angespannte Fachkräftesituation noch zusätzlich.

Dazu gibts auch noch Branchen, in denen die 3G-Regeln einfach schwer umzusetzen sind, wie zum Beispiel bei Schichtarbeit oder wenn die Mitarbeiter auf Montage sind und nicht jeden Tag in die Firma kommen, damit der Chef den negativen Test überprüfen kann. 

Dieses Problem haben uns auch die Handwerkskammer gespiegelt. Die Stimmung ist hier ganz schön im Keller. Völliges Unverständnis hat Manuela Glühmann von der Handwerkskammer Südthüringen vor allem gegenüber der Testpflicht für ungeimpfte Mitarbeiter - Schnelltests seien kaum zu bekommen und wenn, dann sehr teuer. DIe Regeln seien zwar gut gemeint aber kaum umzusetzen, sagt Glühmann. Bei den Körpernahen Dienstleistungen wie Frieseuren oder Kosmetiker geht es dazu wieder um die Existenz - 2G bedeutet, dass ungeimpfte Kunden abgewiesen werden müssen, heißt es von der HWK. Und dieser Tägliche Umsatzrückgang könne nicht einfach so abgefedert werden.