Gera Prozessbeginn: Mädchen bei Jagd angeschossen

Symbolfoto: Pixabay
Symbolfoto: Pixabay
Autor: MR | Datum: 14.09.2021
Am Amtsgericht Gera hat heute der Prozess gegen einen 34 Jahre alten Mann begonnen. Ihm wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Rund drei Jahre nachdem ein damals sechsjähriges Mädchen von einem Jagdschuss getroffen wurde, ist es nach Angaben seines Vaters weiter stark eingeschränkt. Seine Tochter habe seit dem Schuss im Landkreis Greiz in Hüfte und Arm ständig Schmerzen und müsse regelmäßig zu Therapien. "Zusammengefasst geht es ihr beschissen", sagte der als Zeuge geladene Vater heute vor dem Amtsgericht Gera. Der Angeklagte schwieg zum Auftakt zu den Vorwürfen und machte nur Angaben zu seiner Person. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, bei einer Erntejagd im Juli 2018 von einem Hochsitz auf einem Pick-Up geschossen zu haben. Dabei habe er sich nicht vergewissert, dass niemand gefährdet wird. Durch den Schuss sei das Mädchen in einer nahen Gartenanlage an Arm und Hüfte getroffen worden. Es sei lebensgefährlich verletzt worden und habe notoperiert werden müssen. Die Familie habe zu dem Zeitpunkt gerade in der Gartenanlage gegrillt, sagte der Vater. Plötzlich habe er einen lauten Knall gehört. Er habe gesehen, wie seine Tochter ins Straucheln kam und dann in einen aufblasbaren Pool fiel. Später habe sich herausgestellt, dass das Neun-Millimeter-Geschoss zunächst durch eine als Sichtschutz aufgehängte Decke hindurchging. Es habe dann Arm und Hüfte seiner Tochter durchschlagen und sei letztlich gegen einen Metallkasten geprallt. Das habe auch den lauten Knall ausgelöst. Der Unfall sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe gewusst, dass kein ausreichender Kugelfang, also etwa eine Erhebung, die die Kugel stoppen könnte, vorhanden war.
Am ersten Prozesstag wurden neben dem Vater auch weitere Teilnehmer der Erntejagd befragt. Die Männer hatten sich an einem Feld aufgestellt, das zu dem Zeitpunkt abgeerntet wurde, und gewartet, dass ihnen aufgeschrecktes Wild vor die Flinte lief. In den Befragungen ging es unter anderem um die exakte Positionierung des Geländewagens des Angeklagten und den Ablauf der Jagd. Der Anwalt des mutmaßlichen Schützen beantragte für den kommenden Prozesstermin am 28. September eine Ortsbegehung, um festzustellen, ob von dem Standort des Mannes ein Treffen des Kindes möglich gewesen sein könnte. Der letzte Termin ist am 5. Oktober angesetzt.