Eisenach Nach Sprengstoffanschlag: Gewaltspirale dreht sich weiter

Raymond Walk, Stadtrat in Eisenach. Foto: dpa.
Raymond Walk, Stadtrat in Eisenach. Foto: dpa.
Autor: MR | Datum: 14.01.2021
Mindestens ein Sprengsatz geht hoch - ein Bekennervideo tauch im Netz auf und jetzt wird ein gewaltsamer Gegenschlag befürchtet. Und das hier bei uns in Thüringen - genauer in Eisenach. Der Anschlag vom Montagmorgen,  auf eine Kneipe der Rechten-Szene in der Stadt, schlägt weiter hohe Wellen. Jetzt verbreitet sich ein ominöses Video im Netz.

Ein Bekennervideo, heißt es. Darin sieht man, wie die kleine Bombe vor dem Bullseye, so heißt der Treff, hochgeht. Eine Person schmiert die Worte "Figth Nazis everyday" an die Fassade. Eine linksextreme Frauengruppe behauptet dafür verantwortlich zu sein. Möglicherweise aber auch nur ein Ablenkungsmanöver, sagt Eisenachs Stadtratsmitglied und Sicherheitsexperte Raymond Walk (CDU). Möglicherweise stecken auch Männer dahinter.

Gegenschlag befürchtet!
Rechtsextreme könnten jetzt zum Gegenschlag ausholen, vermutet Walk, die Gewaltspirale drehe sich weiter. Trotzdem sei Eisenach genau so sicher wie andere Städte auch. Denn, es sei nicht ein Angriff auf die Stadt als Ganzes gewesen, sondern ein gezielter Anschlag. Jetzt gelte es für die Sicherheitsbehörden, die bekannten Punkte in der Stadt noch stärker zu kontrollieren. Walk sagt auch: "Der Angriff war vorhersehbar!" Er habe schon öfter auf die Situation hingewiesen, auch mit Blick auf 2019, als die Zahl politisch motivierter Straftaten (auch wegen der Wahl) in die Höhe schoss. Walk fordert weiterhin bei den Behörden (Polizei und Verfassungsschutz) aufzustocken.

Neue Eskalationsstufe - Familien in Gefahr
Trotzdem: Der Angriff auf das Bullseye ist für Walk eine neue Stufe der Eskalation. Im betroffenen Haus leben schließlich auch Familien. Es wäre möglich gewesen, dass ein Feuer ausbricht, so Walk gegenüber Antenne Thüringen. Menschenleben seien in Gefahr gebracht worden. Außerdem vermutet er, dass es nicht nur ein Sprengsatz war, der hoch ging. Darauf würden die Fotos der Zerstörung hinweisen. So etwas habe es zuletzt in den 90ern gegeben, erinnert sich das Mitglied des Innenausschusses. Walk verurteile jede Art der Gewalt, aus welchem Spektrum auch immer.

Jetzt ermitteln LKA und Verfassungsschutz in der Sache. Verdächtige gebe es schon, sagt der CDU-Politiker. Er glaubt, dass die Behörden gute Chancen haben den Fall zu lösen. Ein grundsätzliches Problem aber bleibt: Links wie rechts seien in Thüringen und darüber hinaus gut vernetzt, es müsse mehr dagegen getan werden!

"Jetzt ist Zeit für Ermittlungen"
Eisenachs Oberbürgermeistern Katja Wolf (Linke) verurteilte den Anschlag als "absolut inakzeptabel". Die Sicherheitslage in der Stadt habe sich aber nicht verändert, so Wolf gegenüber Antenne Thüringen. Es sei aber Aufgabe der Polizei, die Lage zu bewerten. Von dieser Seite habe sie keine besonderen Hinweise bekommen. Aktuell sei ohnehin die Zeit für Ermittlungen. Ob eine Verbindung zum Anschlag auf das Burschenschaftsdenkmal im Herbst bestehe, sei unklar. Auch ob überhaupt Eisenacher bei der Attacke am Montag beteiligt waren, werde jetzt ermittelt.