Thüringen Kirchen klagen über respektlose Besucher

Hunde sind in Kirchen grundsätzlich nicht erlaubt. Foto: dpa
Hunde sind in Kirchen grundsätzlich nicht erlaubt. Foto: dpa
Autor: PK | Datum: 12.07.2019
Eis tropft auf den Jahrhunderte alten Steinboden und dann hallt vielleicht auch noch Hundegebell durch die geweihten Räume: In Thüringen beobachten Kirchen Unachtsamkeiten und fehlenden Respekt bei Besuchern von Gotteshäusern. "Es lässt schon nach, dass der Dom als besonderer Raum wahrgenommen wird", sagt der Pressesprecher des Bistums Erfurt, Peter Weidemann.

Anders als es aber etwa seine Kollegen im Dom in Speyer in Rheinland-Pfalz beobachten, klebten immerhin keine Kaugummis an den Kirchenbänken. "Mitgebrachtes Eis oder Bratwürste sind da schon ein größeres Problem", sagte Weidemann. Auch brächten Besucher immer wieder ihre Hunde mit, obwohl ein Schild am Eingang auf das Verbot hinweise. "Auch wenn sie Teil der Schöpfung sind, sind Hunde in der Kirche in der Regel nicht erlaubt."

Weidemann führt die Entwicklung vor allem auf den Dom als Besuchermagnet zurück. Jährlich kommen nach Bistumsangaben etwa 500.000 Menschen - darunter nicht nur gläubige Gottesdienstbesucher. Auch in anderen größeren katholischen Kirchen im Freistaat würden bisweilen mangelnde Sensibilität und kulturelles Unverständnis beobachtet, so Weidemann. Ein wirkliches Problem sehen die Kirchen im katholisch geprägten Eichsfeld und in Nordhausen aber nicht.

Mit der Initiative "Offene Kirchen" schließen Gotteshäuser der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) auch außerhalb offizieller Anlässe ihre Türen auf. Dort zeichnet sich ein sehr durchmischtes Bild zum Benehmen der Besucher ab.

So gebe es viele Häuser - etwa in Schmölln, Gera-Großaga, Altenburg und die Georgenkirche Eisenach - die so gut wie keine negativen Erfahrungen machten, berichtet EKM-Pressesprecherin Susanne Sobko. Was aber auffalle, "dass viele Männer nicht mehr wissen, dass man in der Kirche die Kopfbedeckung abnimmt", sagte ein Vertreter der evangelischen Kirche in Ruhla. Andere Kirchen, etwa die Arnstädter Bachkirche und die Bergkirche in Schleiz, klagen ebenfalls über mitgebrachte Hunde.

Neben den 95 Prozent freundlichen und interessierten Besuchern gebe es etwa fünf Prozent "Problemtouris". Dazu zählten etwa Besucher, die die Kirchenführer beleidigten, oder solche, die außerhalb der Öffnungszeiten auch nicht davor zurückschreckten, für Sightseeing in Trauerfeiern hineinzuplatzen.

Manche Gotteshäuser klagen auch über noch extremere Vorfälle: Da werden Kerzen, der Opferstock oder die Kollekte gestohlen und die Gästebücher als Schimpfwortsammlung genutzt, wie es etwa aus der Eisenberger Stadtkirche und der Klinikkapelle in Gera heißt. Auch Urin und andere unappetitliche Hinterlassenschaften beklagen manche Gotteshäuser. Aber: Die Häuser berichten auch, dass solche Vorfälle
eher die Ausnahmen als die Regel seien.