Thüringen Kinderärzte an der Belastungsgrenze

Symbolfoto: pixabay
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Autor: PK | Datum: 13.10.2021
Es schnieft und hustet in Kindergärten und Klassenzimmern. Vor vielen Thüringer Kinderarztpraxen stehen schon morgens lange Schlangen von Eltern mit kranken Kindern, bis auf den Bürgersteig. Die Erkältungswelle trifft vor allem die Kleinsten in diesem Herbst heftiger als sonst üblich, zeigte ein Umfrage von ATENNE THÜRINGEN bei Kinderärzten im Freistaat.

Und das liegt auch an Corona, ist etwa aus Jena zu hören, aus einer Gemeinschaftspraxis, in der die Kinder gerade im 5-Minutentakt behandelt werden:

Durch die Schonung des Immunsystems im Lockdown, sind die Krankheitsverläufe akut schwerer und dauern etwas länger als normalerweise.

Auffällig sei auch, dass die Krankheitswelle in diesem Jahr deutlich früher auftrete als es sonst der Fall sei.

Alle Kapazitäten sind bis an die Grenzen ausgelastet, so haben es uns alle Kinderärzte beschrieben, bei denen wir nach der aktuellen Situation gefragt haben. So schlimm sei es seit Jahren nicht gewesen.

Die Sprechstunde ist deutlich stärker ausgelastet, als sonst um diese Zeit, sagt etwa auch Dr. med. Katja Langenhan, aus Schmalkalden:

Junge Kindergartenkinder bis 4 Jahre stechen als häufige Betroffene hervor.

Die grippalen Effekte und der Husten halten sich nach ihrer Beschreibung etwa ⅓ länger als normalerweise. Als Ursache vermutet auch sie die Schonung des Immunsystems durch Lockdowns und besonders aggressive Erreger. Ihr Rat: "Sie sollten die Kinder nicht übervorsorglich schützen und in einen "Glaskasten" setzen." Aber auch Wechselbäder und Wechselduschen könnten das Immunsystem stärken, so Langenhan. Auch sollten Eltern sich unbedingt über Grippeimpfungen informieren und diese in Betracht ziehen.

Richtig ernst wird es, wenn dann bald noch die typischen Grippewellen dazu kommen,

befürchten die Ärzte. Im Moment überwiegen vor allem Atemwegskrankheiten und -infektionen, aber auch Durchfall, beschreibt auch die Bad Salzunger Kinderärztin Dr. Petra Rappsilber die aktuelle Lage. Sie empfiehlt die Klassiker: "Gute Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung sind wichtige Mittel, um das Immunsystem in Takt zu halten."

Aber auch Schulkinder, die sich anstecken, haben länger mit Schnupfen und Co zu kämpfen. Der Weimarer Kinderarzt Dirk Rühling appelliert auch an die Eltern. Für die Kinder, die die momentan erkranken, sei ganz grundsätzlich vor allem eines wichtig sei: Sich richtig und ordentlich auszukurieren. Schule und Kita seien durchaus als Arbeit für die Kinder und ihre Immunsysteme zu verstehen und wenn Kinder erkranken, sei es wichtig den Kindern Urlaub zu gewähren, um sich wirklich vollständig zu erholen.

Die Kinder und ihre Immunsysteme „trainieren jetzt wieder" mit Erregern umzugehen.

Auch die zu frühe Rückkehr in den Kindergarten oder die Schule könne dazu führen, dass sich Erkrankungen länger oder hartnäckiger halten, so Rühling.