Thüringen Kampf gegen extremistische Gewalt im Sport

Springerstiefel eines Teilnehmers einer Demonstration der rechten Szene. Foto: dpa
Springerstiefel eines Teilnehmers einer Demonstration der rechten Szene. Foto: dpa
Autor: PK | Datum: 29.06.2020

Thüringen will härter gegen rechtsextreme Tendenzen im Sport vorgehen. Das gilt vor allem für den Fußball, kündigte Innenminister Georg Maier an. «Auch wenn es finanziell und sportlich zuletzt nicht so gut lief für die zwei größeren Fußballvereine in Thüringen, werden wir das Engagement der Polizei in diesem Bereich nicht zurückfahren - im Gegenteil.»

Die Zahl der szenekundigen Beamten der Polizei soll konstant bleiben, sagte Maier. Auch wenn weder der FC Rot-Weiß Erfurt noch der FC Carl Zeiss Jena in der dritten Fußball-Bundesliga spielen werden. Außerdem sollen sich die Staatsschutzabteilungen der Polizei intensiver mit rechtsextremen Tendenzen im Sport befassen.

Laut Innenministerium gibt es im Moment jeweils zwei szenekundige Beamte in Erfurt und Jena. Der Verfassungsschutz habe Rechtsextreme im Sport schon lange im Visier, sagte Maier. Der Minister räumte ein, dass es kein neues Phänomen sei, dass es besonders im Umfeld von Rot-Weiß Erfurt rechtsextreme Umtriebe gebe.

Die jüngsten Durchsuchungen bei mutmaßlichen Mitgliedern der RWE-Fangruppierung Jungsturm würden aber deutlich machen, dass der Staat auch auf diesem Feld offensiver gegen Rechtsextremismus einschreiten müsse. «Ich möchte härter vorgehen gegen Entwicklungen, wo Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft zum Beispiel in Jugendkulturen einsickert», sagte Maier.

Zwar wolle er nicht den Thüringer Sport unter Generalverdacht stellen, ein Hort des Rechtsextremismus zu sein. Doch müssten rechtsextreme Aktivitäten auch dort ernst genommen werden. «Es geht hier um die Entgrenzung von Extremismus in verschiedenste Gesellschaftsbereiche. Das können wir nicht hinnehmen.»

Im April hatte es Razzien in mehreren Ortschaften in Thüringen und Sachsen-Anhalt gegen mutmaßliche Gewalttäter aus der Fußball-Szene rund um den FC Rot-Weiß Erfurt gegeben. Mehr als 100 Beamte hatten in Halle/Saale, Erfurt, Sondershausen, Kirchheim sowie in der Region Saalfeld-Rudolstadt mehrere Objekte durchsucht. Damals waren drei Männer im Alter von 26 bis 28 Jahren festgenommen worden. Hintergrund ist der Vorwurf, die Beschuldigten hätten eine kriminelle Vereinigung gegründet.

Vorausgegangen waren den Razzien unter anderem zwei Überfälle auf Fans von Carl Zeiss Jena in Saalfeld-Gorndorf und Gotha 2019. Nach Einschätzung der Ermittler waren Angehörige des Jungsturm an den Attacken beteiligt. Diese Gruppierung wird von der Polizei der Hooliganszene von Rot-Weiß Erfurt zugerechnet. Fans des Carl Zeiss Jena gelten als politisch eher linksorientiert.