Thüringen Ferienkurse sollen Spaß am Lernen lehren

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Autor: PK | Datum: 11.05.2021
Bis alle Schüler die corona-bedingten Lernlücken aufgeholt haben, das dürfte über ein Jahr dauern, befürchtet Thüringens Bildungsminister Helmut Holter. Bis zu 20 Prozent der Schüler seien über den Distanzunterricht gar nicht erreicht worden. Sommerferienkurse sollen dabei helfen, die Kinder erst mal wieder in der Schule ankommen zu lassen: und zwar mit Spaß am Lernen, in Kursen, die auf Bewegung, Teamgeist und Kreativität setzen.

Unter anderem soll es Angebote in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund, den Volkshochschulen und dem Studierendenwerk geben. Die Angebote seien kostenlos und freiwillig. Das Bundeskabinett hatte vergangene Woche grünes Licht für ein zwei Milliarden Euro schweres Nachholprogramm gegeben.

Sylvia Kränke, Verbandsdirektorin des Thüringer Volkshochschulverbands, sagte, man stelle derzeit ein Angebot zusammen, man könne sich zum Beispiel Kurse zu Kunst und Tanz, gesunde Ernährung, Foto-Safaris, einen Mathe-Knobel-Kurs oder das Gestalten von T-Shirts im Siebdruckverfahren vorstellen.

Holter betonte, es gehe nicht darum, in den Ferien Unterricht anzubieten. «Es geht darum, das Lernen wieder zu erlernen», sagte er. Zunächst sollten die Lernrückstände erhoben werden, in einem zweiten Schritt soll den Schülern in den Sommerferien die Freude am Lernen vermittelt werden. In einem dritten Schritt dann sollen ab dem kommenden Schuljahr die Lernrückstände abgebaut werden.

Vorher hatte die CDU-Fraktion den Bildungsminister scharf angegriffen und ihm unter anderem vorgeworfen, keinen Plan für das Schließen von Bildungslücken bei Kindern und Jugendlichen zu haben. CDU-Fraktionschef Mario Voigt bezeichnete Holter als «Fehlbesetzung». «Ab einem bestimmten Punkt muss jeder für sich selber wissen, ob er für den Job noch geeignet ist», sagte Voigt.

Seine Fraktion schlug unter anderem vor, Schuljahre zu strecken und im Lehrplan stärker Prioritäten zu setzen. «Man muss sagen, dass der Lehrplan nicht mehr abgearbeitet werden kann», sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner. Daher schlage man vor, einzelne Schuljahre strecken zu können. Als Beispiel nannte Tischner, dass etwa der Stoff aus dem zweiten Schulhalbjahr einer siebenten Klasse dann noch bis in das erste Halbjahr der achten Klasse vermittelt werden solle.

Der Bildungspolitiker betonte, dass auch dies nur dann funktioniere, wenn Prioritäten gesetzt würden - indem zum Beispiel bestimmte Lehrplaninhalte als Wahlthemen ausgewiesen werden. Dafür müsse das Ministerium klar sagen, welche Themen auch in zwei oder drei Jahren nicht prüfungsrelevant sein werden.

Der 39-Jährige plädierte außerdem für «vier bis fünf» Förderunterrichtsstunden pro Woche an den Schulen. Dafür sollten andere Fächer zurückstecken. Welche das sind, sollen die Schulen selbst entscheiden können.

Holter lehnte die Vorschläge der CDU-Fraktion ab. «Das hat mit moderner Schulpolitik nichts zu tun», sagte Holter. Es gehe nicht darum, bestimmte Fächer zu streichen oder massiv einzuschränken, sagte Holter.

Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich dagegen sagte, man müsse über die Stundentafel nachdenken, wenn die Lernrückstände in den Kernfächern zu groß seien. «Wir sind schon der Meinung, dass bestimmte Grundkompetenzen gestärkt gehören», sagte Rothe-Beinlich.

Die Thüringer FDP-Fraktion teilte mit, Holters Programm für die Sommerferien bleibe weit hinter den Erwartungen zurück. «Schülerinnen und Schüler sollen sich Unterstützung holen können, wann, wo und wie sie diese brauchen. Es liegt auf der Hand, zum Beispiel auf zertifizierte Anbieter von Nachhilfe- und Förderangeboten zurückzugreifen», erklärte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Franziska Baum.