Erfurt Endet Prozess gegen Polizisten mit Bewährungsstrafe?

Missbrauchsprozess Landgericht Erfurt Foto: dpa
Missbrauchsprozess Landgericht Erfurt Foto: dpa
Autor: CL | Datum: 29.06.2020
Die eine Seite fordert zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung, die andere Freispruch: Im Prozess gegen zwei Polizisten, die laut Anklage im Dienst gemeinsam eine Frau vergewaltigt haben sollen, gehen die Strafmaßforderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung weit auseinander. Die Staatsanwältin betonte im Plädoyer am Montag am Landgericht Erfurt, dass es bei ihrer Forderung um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Gefangenen und behördlich Verwahrten unter Ausnutzung einer Amtsstellung gehe. Sie beziehe sich explizit nicht auf den ursprünglichen weiteren Vorwurf einer gemeinschaftlichen Vergewaltigung im besonders schweren Fall.

Denn dieser sei nach der vorläufigen Beweiswürdigung nicht darstellbar: Das Gericht hatte am Montag die Beweisaufnahme in dem Prozess geschlossen. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft deutlich protestiert, denn die betroffene Frau konnte als Hauptbelastungszeugin noch nicht vor Gericht aussagen. Bekannt ist bislang nur, dass gegen die polnische Frau und ihren damaligen Partner in Polen nationale Haftbefehle vorliegen.

Der Vorsitzende Richter machte heute klar, dass die Kammer durch die bisherigen Aussagen der Frau nicht von Vergewaltigung als Tatbestand überzeugt sei. Eine Wendung ist aber nicht ausgeschlossen, sollte die Frau bis zum 13. Juli noch auftauchen. An dem Tag könnte schon ein Urteil gesprochen werden.