Landkreis Hildburghausen Der Bauer, seine Kühe und der neue Grenzzaun

Zwei Betriebe wurden für die artgerechte Haltung von Milchkühen ausgezeichnet. Bild: dpa
Zwei Betriebe wurden für die artgerechte Haltung von Milchkühen ausgezeichnet. Bild: dpa
Autor: AR | Datum: 10.10.2019
 

30 Jahre nach der Maueröffnung gibt es wieder einen Grenzzaun zwischen Thüringen Bayern!

„Es ist kein Minenfeld davor, aber es ist ein unüberwindbares Hindernis", hat uns Bauer Dietmar Koch aus Streufdorf im Landkreis Hildburghausen erzählt. Er musste den Zaun bauen – für seine Kühe. Die nämlich dürfen von Amtswegen das Gras auf bayrischer Seite nicht fressen - obwohl sie es sollen. Denn Bauer Koch macht beim Umweltprojekt "Landschaftspflege an der ehemaligen Innerdeutschen Grenze" mit. Hat dafür Weideflächen auf bayrischer Seite gepachtet.

Wie vor 1989 - Einfach rübermachen geht nicht

Doch seine Kühe dürfen drüben nicht so einfach fressen, weil beide Länder unterschiedliche Tierseuchenverordnungen haben. Bauer Koch müsste jedes Tier also einzeln anmelden, wenn es auf bayrischer Seite grasen soll. Wie soll er das kontrollieren, welches Tier wo steht? Und deshalb musste er einen Zaun bauen. Damit die Viecher wie wir früher nicht so einfach rübermachen können. Aber es kommt ja noch dicker: Bauer Koch bekommt eine Strafe, sollte das Gras auf bayrischer Seite zu hoch wuchern! So steht's in seinem Vertrag.

30 Kühe - 3 Ministerien

Bei unseren Recherchen haben wir herausgefunden, dass drei Ministerien sich einig sein müssen, um Bauer Koch zu helfen: Das Landwirtschaftsministerium wegen der Kühe; das Umweltministerium wegen der Landschaftspflege am gründen Band; das Sozialministerium wegen der Tierseuchenverordnung.

Stefan Wogawa – Pressesprecher Sozialministerium: „Wir haben Kontakt zu dem Tierhalter aufgenommen und ihm zugesagt, dass wir dafür sorgen werden, dass (erstmals) alle Beteiligten an einem Tisch zusammenkommen. Die Zuständigkeit ist tatsächlich nicht ganz einfach, denn es handelt sich um mehrere beteiligte Behörden. Ziel des Gesprächs ist es natürlich, gemeinsam eine Lösung zu finden. Das Gespräch wird voraussichtlich schon in der nächsten Woche stattfinden".

So könnte der neue Grenzzaun vielleicht noch vor den Feierlichkeiten zum 30jährigen Mauerfalljubiläum am 9. November wieder abgebaut werden. Denn auch Kühe sollten grenzenlos grasen.